Der Online­kom­men­tar wur­de im Früh­jahr 2021 von Dani­el Brug­ger gegrün­det und befin­det sich zur­zeit in der Auf­bau­pha­se. Die ers­te Kom­men­tie­rung eines Geset­zes­ar­ti­kels (Uni­ver­sal­ver­samm­lung der Akti­en­ge­sell­schaft, Art. 701 OR) wur­de zusam­men mit der gesam­ten Web­sei­te am 13. Mai 2021 ver­öf­fent­licht. Infor­ma­ti­on zur Trä­ger­schaft fin­den sie hier: Der Ver­ein Online­kom­men­tar.

Die zündende Idee

Die Geschich­te des Online­kom­men­tars geht mehr als ein Jahr­zehnt zurück, näm­lich bis ins Jahr 2008. Im Som­mer 2008 unter­stütz­te Dani­el Brug­ger als Hilfs­as­sis­tent Prof. Dr. Wil­li Fischer an Abfas­sung eines Kom­men­tar zum Haft­pflicht­recht und kam dort zum ers­ten Mal mit der Welt der juris­ti­schen Kom­men­ta­re in Kon­takt. Juris­ti­sche Kom­men­ta­re erschei­nen dabei grund­sätz­lich als gedruck­te Bücher, die von den Ver­la­gen teu­er ver­kauft wer­den. Gleich­zei­tig schal­ten die Ver­la­ge eine elek­tro­ni­sche Ver­si­on der Tex­te auf ihren Daten­ban­ken auf, zugäng­lich aber nur hin­ter hohen Bezahl­schran­ken. Dani­el Brug­ger fand, es müss­te im Inter­net­zeit­al­ter doch eine Mög­lich­keit geben, einen frei und kos­ten­los zugäng­li­chen Kom­men­tar zu schaf­fen. Einen Kom­men­tar, der den Autoren die Sicht­bar­keit ihrer Kom­men­tar­ar­beit bie­tet und zugleich das juris­ti­sche Fach­wis­sen für den Leser frei zugäng­lich macht. Am 1. Juli 2008 regis­trier­te er die Domain http://www.onlinekommentar.ch.

Wäh­rend der Zeit Stu­dent und Rechts­an­walts­prak­ti­kant erstell­te Dani­el Brug­ger mit ver­schie­de­nen Wiki-Pro­gram­men einen frei zugäng­li­chen Kom­men­tar: Im Jahr 2011 schuf er einen ers­ten Kom­men­tar mit der Soft­ware Wikidot (so sah das aus), spä­ter mit der Soft­ware Twi­ki. Das Wiki-Sys­tem erlaub­te es den Kom­men­ta­ren, ihren Kom­men­tar selbst direkt auf der Web­sei­te zu bear­bei­ten und anzu­pas­sen. Der Erfolg war lei­der beschei­den. Vie­le fan­den die Idee zwar toll, aber per­sön­lich als Autor enga­gie­ren woll­te sich (fast) nie­mand. Das Pro­jekt Online­kom­men­tar wur­de pausiert.

Das neue Konzept

Jah­re spä­ter, Anfangs 2021, wäh­rend der Covid-Pan­de­mie, bei der vom Bun­des­rat unter ande­rem eine Home­of­fice­pflicht ange­ord­net wur­de, dach­te sich Dani­el Brug­ger, dass die Zeit reif wäre für einen Kom­men­tar, auf wel­che die Nut­zer kos­ten­los und ein­fach im (behörd­lich ange­ord­ne­ten) Home­of­fice zugrei­fen könn­ten (Vor­tei­le des Digi­ta­len). Erstellt wer­den soll­te ein Online­kom­men­tar mit moder­nem Design und einem ange­pass­ten Konzept:

  • Open-access, also kos­ten­lo­se und freie Zugäng­lich­keit des juris­ti­schen Fachwissens
  • Her­aus­ge­ber­schaf­ten und einem peer-review der Kommentare 
  • Crea­ti­ve Commons-Lizenzsystem
  • Gemein­nüt­zi­ge, nicht gewinn­ori­en­tier­te Trä­ger­schaft durch einen Verein
  • Platt­form­sys­tem

In einem Satz lässt sich das neue Kon­zept wie folgt zusam­men­fas­sen: Eine gemein­nüt­zi­ge Trä­ger­schaft stellt mit dem Online­kom­men­tar eine Web­platt­form zur Ver­fü­gung, auf der qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge und geprüf­te Kom­men­ta­re zum schwei­ze­ri­schen Recht für jeder­mann frei und kos­ten­los zur Ver­fü­gung gestellt wer­den kön­nen. Der Online­kom­men­tar ermög­licht es also, ver­schie­de­ne Kom­men­ta­re zu schwei­ze­ri­schen Erlas­sen an einem ein­zi­gen Ort zu ver­öf­fent­li­chen. Die Infra­struk­tur für Open-Access-Kom­men­ta­re muss damit nicht mehr­mals auf­ge­baut und bezahlt werden.

Dani­el Brug­ger kam zum Schluss, es wäre ein­fa­cher, die Leu­te vom Online­kom­men­tar zu begeis­tern, wenn sie etwas Kon­kre­tes und nicht nur die Pro­jekt­be­schrei­bung vor Augen hät­ten. Das neue Kom­men­tar­kon­zept soll­te direkt erleb­bar sein. Er eröff­ne­te daher am 8. April 2021 ein Wor­d­Press­kon­to begann ein Web­sei­te für den Online­kom­men­tar zu erstellen.

Gleich­zei­tig kom­men­tier­te er Art. 701 OR zur Uni­ver­sal­ver­samm­lung als Anschau­ungs­bei­spiel und grün­de­te einen gemein­nüt­zi­gen und nicht gewinn­ori­en­tier­ten Ver­ein, den Ver­ein Online­kom­men­tar, als Trä­ger­schaft.

Veröffentlichung der Seite

Rund einen Monat spä­ter, am 13. Mai 2021, wur­de die Web­sei­te samt Kom­men­tar zu Art. 701 OR ver­öf­fent­licht. Am 17. Mai 2021 mach­te Dani­el Brug­ger zum ers­ten Mal auf Lin­kedIn eine brei­te­re Öffent­lich­keit auf den Online­kom­men­tar auf­merk­sam. Im Ver­gleich zu frü­he­ren Ver­su­chen mit einem elek­tro­ni­schen Kom­men­tar wur­de das neue Kon­zept des Online­kom­men­tars sehr gut auf­ge­nom­men, und meh­re­re Kom­men­ta­to­rin­nen und Kom­men­ta­to­ren mel­de­ten umge­hend Inter­es­se an, einen oder meh­re­re Geset­zes­ar­ti­kel auf dem Online­kom­men­tar zu kommentieren.

Kurz nach der Lan­cie­rung der Sei­te infor­mier­te er auch Bun­des­rich­ter Chris­toph Hur­ni über das Pro­jekt. Die­ser war vom Online­kom­men­tar sofort begeis­tert und begann umge­hend aktiv am Pro­jekt mit­zu­ar­bei­ten. Das gab dem Online­kom­men­tar sofort eine grös­se­re Strahl­kraft
und öff­ne­te vie­le Türen. Das Pro­jekt kam danach so rich­tig in Fahrt. 

Erste Erfolge

Einen Monat nach der Ver­öf­fent­li­chung der Web­sei­te hat­te der Online­kom­men­tar bereits 22 Kom­men­ta­to­rin­nen und Kom­men­ta­to­ren sowie zwei Her­aus­ge­ber, zwei Wochen spä­ter schon 36 Kom­men­ta­to­rin­nen und Kom­men­ta­to­ren sowie vier Herausgeber. 

Seit­her wur­de die Web­sei­te Online­kom­men­tar über 10’000 besucht und sogar von der Schwei­ze­ri­schen Natio­nal­bi­blio­thek aus­ge­wählt, um im Web­ar­chiv der Schweiz kata­lo­gi­siert zu werden. 

Am 23. Juli 2021 berich­te­te Sarah Lei­en­de­cker sodann in ihrem Pod­cast über den Onlinekommentar.

Am 23. Sep­tem­ber 2021 sprach die Rechts­wis­sen­schaft­li­che Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Zürich dem Pro­jekt Online­kom­men­tar den Betrag von Fr. 10’000.– zu (För­der­mit­tel für Pro­jek­te im Bereich Open Access; Open Access Stra­te­gie der Fakultät).

Kur­ze Zeit spä­ter, am 3. Okto­ber 2021 wur­de die zwei­te Kom­men­tie­rung, resp. die ers­te Kom­men­tie­rung nach der Bei­spiel­kom­men­tie­rung von Dani­el Brug­ger, publi­ziert. Alex­an­der Kist­ler kom­men­tier­te die Vor­be­mer­kun­gen zu Art. 32 — 37 LugÜ.

Am 16. Dezem­ber 2021 wur­de im News­let­ter von Euro­spi­der erst­mals ein auf dem Online­kom­men­tar publi­zier­ter Geset­zes­kom­men­tar, die Kom­men­tie­rung zu Art. 20 IPRG, als neue erschie­ne­ne Online­pu­bli­ka­ti­on erwähnt. 

Am Tag dar­auf stell­te der Dani­el Brug­ger auf dem Ver­fas­sungs­blog erst­mals den Online­kom­men­tar einer brei­te­ren Öffent­lich­keit vor. 

Stand nach einem Jahr

Ein Jahr nach der Grün­dung des Online­kom­men­tars hat der Ver­ein einen tat­kräf­ti­gen, breit zusam­men­ge­setz­ten Vor­stand, 22 Her­aus­ge­be­rin­nen und Her­aus­ge­ber für ver­schie­dens­te Erlas­se, über 150 Autorin­nen und Autoren, und bereits 20 publi­zier­te Kom­men­ta­re. Wei­te­re Her­aus­ge­ber­schaf­ten und Kom­men­ta­re sind in der Pipeline.