Kommentar zu Art. 20 IPRG

Ein Kom­men­tar von Loïc Stucki

Her­aus­ge­ge­ben von Chris­toph Hurni

Zitier­vor­schlag

Loïc Stucki, Kom­men­tar zu Art. 20 IPRG, in: Chris­toph Hur­ni (Hrsg.), Online­kom­men­tar zum IPRG, https://onlinekommentar.ch/iprg20/, 1. Aufl., N. XXX zu Art. 20 IPRG (besucht am XXX). 

Kurz­zi­tat: OK-Stucki, N. XXX zu Art. 20 IPRG.

Art. 20 IPRG

1 Im Sin­ne die­ses Geset­zes hat eine natür­li­che Person:

a. ihren Wohn­sitz in dem Staat, in dem sie sich mit der Absicht dau­ern­den Ver­blei­bens aufhält;

b. ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in dem Staat, in dem sie wäh­rend län­ge­rer Zeit lebt, selbst wenn die­se Zeit zum vornher­ein befri­stet ist;

c. ihre Nie­der­las­sung in dem Staat, in dem sich der Mit­tel­punkt ih­rer geschäft­li­chen Tätig­keit befindet.

2 Nie­mand kann an meh­re­ren Orten zugleich Wohn­sitz haben. Hat ei­ne Per­son nir­gends einen Wohn­sitz, so tritt der gewöhn­li­che Auf­ent­halt an die Stel­le des Wohn­sit­zes. Die Bestim­mun­gen des Zivil­­gesetzbuches über Wohn­sitz und Auf­ent­halt sind nicht anwendbar.

Art. 20 LDIP

1 Au sens de la pré­sen­te loi, une per­son­ne physique:

a. a son domic­i­le dans l’État dans lequel elle rési­de avec l’inten­tion de s’y établir;

b. a sa rési­dence habi­tu­el­le dans l’État dans lequel elle vit pen­dant une cer­tai­ne durée, même si cet­te durée est de prime abord limitée;

c. a son éta­b­lis­se­ment dans l’État dans lequel se trouve le cent­re de ses acti­vi­tés pro­fes­si­onnel­les ou commerciales.

2 Nul ne peut avoir en même temps plu­sieurs domic­i­les. Si une per­sonne n’a nulle part de domic­i­le, la rési­dence habi­tu­el­le est détermi­nante. Les dis­po­si­ti­ons du code civil suis­se rela­ti­ves au domic­i­le et à la rési­dence ne sont pas applicables.

Art. 20 LDIP

1 Giu­s­ta la pre­sen­te leg­ge, la per­so­na fisi­ca ha:

a. il domic­i­lio nel­lo Sta­to dove dimo­ra con l’intenzione di stabili­r­visi durevolmente;

b. la dimo­ra abi­tua­le nel­lo Sta­to dove vive per una cer­ta dura­ta, an­che se tale dura­ta è limi­ta­ta a priori;

c. la sta­bi­le orga­niz­za­zio­ne nel­lo Sta­to dove si tro­va il cen­tro del­la sua atti­vi­tà economica.

2 Nes­su­no può ave­re con­tem­pora­nea­men­te il suo domic­i­lio in più luo­ghi. In man­can­za di domic­i­lio, fa sta­to la dimo­ra abi­tua­le. Le di­sposi­zioni del Codi­ce civi­le sviz­ze­ro con­cer­nen­ti il domic­i­lio e la dimo­ra non sono applicabili.

Art. 20 PILA

1 Wit­hin the mea­ning of this Act, a natu­ral person:

a. has their domic­i­le in the sta­te whe­re they resi­de with the intent of estab­li­shing per­ma­nent residence;

b. has their habi­tu­al resi­dence in the sta­te whe­re they live for a cer­tain peri­od of time, even if this peri­od is of limi­ted dura­ti­on from the outset;

c. has their estab­lish­ment in the sta­te whe­re the cent­re of their pro­fes­sio­nal or com­mer­cial acti­vi­ties is located.

2 No per­son may have more than one domic­i­le at the same time. If a per­son does not have a domic­i­le any­whe­re, the habi­tu­al resi­dence is the rele­vant place. The pro­vi­si­ons of the Civil Code rela­ting to domic­i­le and resi­dence do not apply.


I. Einleitung

A. Allgemeines

1 Art. 20 IPRG regelt glei­cher­mas­sen den Wohn­sitz, den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt und die Nie­der­las­sung. Die­se Begrif­fe sind für diver­se Bestim­mun­gen des IPRG von gros­ser Rele­vanz.[1] Das IPRG erach­tet das Wohn­sitz­prin­zip im Grun­de sowohl für das Kol­li­si­ons­recht als auch für die Zustän­dig­keits­re­ge­lung als zen­tral.[2] So die­nen ins­be­son­de­re der Wohn­sitz sowie der gewöhn­li­che Auf­ent­halt als Anknüp­fungs­merk­ma­le diver­ser Zustän­dig­keits­re­geln und kol­li­si­ons­recht­li­cher Normen.

2 Den Anknüp­fungs­merk­ma­len des Art. 20 IPRG haf­ten ver­schie­de­ne Gedan­ken an.[3] So soll durch Wohn­sitzan­knüp­fun­gen die Nähe zwi­schen einer Rechts­ord­nung bzw. dem Gerichts­stand und der zu beur­tei­len­den Rechts­fra­ge sicher­ge­stellt wer­den.[4] Sinn und Zweck der Anknüp­fung am Wohn­sitz ist oft­mals ein gewis­ser Schutz des Betrof­fe­nen. Schutz­über­le­gun­gen kön­nen auch für Anknüp­fun­gen an den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt bzw. an die Nie­der­las­sung ein­schlä­gig sein. So wird in bestimm­ten Rechts­fra­gen bei­spiels­wei­se das Ver­trau­en in das bekann­te Recht am gewöhn­li­chen Auf­ent­halt des Betrof­fe­nen geschützt (z.B. Art. 123 IPRG; sog. Umwelt­recht).[5]

B. Anwendungsbereich und Einordnung in die Kollisionsrechtsdogmatik

3 Für das gesam­te IPRG gel­ten die Begrif­fe des Art. 20 IPRG glei­cher­mas­sen für Kol­li­si­ons­recht, Zustän­dig­keits­re­ge­lun­gen sowie Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung.[6] Die Norm ist eine Sach­norm des IPR: Es wird nicht auf eine Rechts­ord­nung zur Bestim­mung des Wohn­sit­zes ver­wie­sen, son­dern die­se Fra­ge grund­sätz­lich sogleich durch Art. 20 IPRG gere­gelt.[7] Dies kann dazu füh­ren, dass das ansons­ten anwend­ba­re Recht (lex cau­sae) einen ande­ren Ort als den Wohn­sitz bestimmt.[8] Art. 20 IPRG kommt ent­spre­chend dem Wort­laut ein­zig für natür­li­che Per­so­nen zur Anwen­dung. Für juris­ti­sche Per­so­nen und Trusts gilt hin­ge­gen Art. 21 IPRG. Im Anwen­dungs­be­reich von (auto­nom aus­zu­le­gen­den) Staats­ver­trä­gen fin­det Art. 20 IPRG kei­ne Anwen­dung – es sei denn, das Über­ein­kom­men ver­wei­se expli­zit auf das inner­staat­li­che Recht (wie z.B. Art. 59 Abs. 1 LugÜ).[9]  

4 Für die Bestim­mung des anwend­ba­ren Rechts ist ent­we­der der von der Kol­li­si­ons­norm fixier­te Zeit­punkt oder (ohne nor­mier­te Fixie­rung) der Zeit­punkt der Urteils­fäl­lung ent­schei­dend.[10] Die Anknüp­fungs­merk­ma­le des Wohn­sit­zes, des gewöhn­li­chen Auf­ent­halts sowie der Nie­der­las­sung sind aller­dings beweg­lich resp. wan­del­bar, da sie im Lau­fe der Zeit in unter­schied­li­che Staa­ten ver­legt wer­den kön­nen.[11] Somit kann sich die Pro­ble­ma­tik des Sta­tu­ten­wech­sels stel­len.[12] Beim anwend­ba­ren Recht ist ein sol­cher Sta­tu­ten­wech­sel prin­zi­pi­ell beacht­lich, das heisst, ein wäh­rend des Ver­fah­rens bzw. wäh­rend der rele­van­ten Zeit­span­ne ein­tre­ten­der Wohn­sitz­wech­sel führt grund­sätz­lich zur (Mit-)Berücksichtigung des Rechts am neu­en Wohn­sitz.[13] Für die Bestim­mung der (direk­ten) inter­na­tio­na­len Zustän­dig­keit genügt es gemäss herr­schen­der Leh­re[14] und Recht­spre­chung[15] im Grun­de auf den Ein­tritt der Rechts­hän­gig­keit abzu­stel­len – eine spä­te­re Ver­le­gung des Wohn­sit­zes respek­ti­ve des gewöhn­li­chen Auf­ent­hal­tes scha­det auf­grund der per­pe­tua­tio fori nicht.[16] Lag die Zustän­dig­keit nicht bereits bei Ein­tritt der Rechts­hän­gig­keit vor, so muss sie spä­tes­tens im Urteils­zeit­punkt vor­lie­gen (vgl. Art. 59 Abs. 2 lit. b ZPO).[17] Für die indi­rek­te Zustän­dig­keit im Bereich der Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung ist grund­sätz­lich der Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung ent­schei­dend.[18]

1. Relevanz im Internationalen Zivilprozessrecht

5 Die Begrif­fe des Wohn­sit­zes, des gewöhn­li­chen Auf­ent­hal­tes und der Nie­der­las­sung nach dem IPRG bezie­hen sich ledig­lich auf einen bestimm­ten Staat als über­ge­ord­ne­te Gebiets­ein­heit, nicht jedoch auf einen spe­zi­fi­schen Glied­staat oder gar einen bestimm­ten Ort.[19] Die ört­li­che Zustän­dig­keit wird aller­dings dann nach dem IPRG beur­teilt, wenn ein Gericht in der Schweiz inter­na­tio­nal zustän­dig ist (vgl. Art. 1 Abs. 1 lit. a IPRG).[20] Erklärt das IPRG Schwei­zer Gerich­te hin­ge­gen für unzu­stän­dig, so regelt es nicht zugleich auch die (ört­li­che) Zustän­dig­keit des aus­län­di­schen Gerichts,[21] viel­mehr sind die ein­schlä­gi­gen aus­län­di­schen Geset­ze zur Bestim­mung der Zustän­dig­keit zu kon­sul­tie­ren. Sofern das IPRG die ört­li­che Zustän­dig­keit inner­halb des Wohn­sitz­staa­tes regeln will bzw. muss (v.a. bei Wohn­sitz in der Schweiz), ist Art. 20 IPRG auch dafür mass­geb­lich (z.B. bei Art. 2 IPRG).[22] Auch für die indi­rek­te Zustän­dig­keit wird Art. 20 IPRG unter Umstän­den her­bei­ge­zo­gen, wobei die Zustän­dig­keit im Urteils­staat gemäss Art. 26 lit. a IPRG aus­reicht – eine nähe­re Ver­or­tung hin­sicht­lich des Zustän­dig­keits­ge­biets des Gerich­tes ist nicht erfor­der­lich.[23]

2. Relevanz im Kollisionsrecht

6 Der Grund­satz, dass die Begrif­fe des Art. 20 IPRG sich nur die über­ge­ord­ne­te Gebiets­ein­heit des Staa­tes bezie­hen, gilt im Kol­li­si­ons­recht prin­zi­pi­ell eben­falls. Ver­wirk­li­chen sich der Wohn­sitz, gewöhn­li­cher Auf­ent­halt oder die Nie­der­las­sung als Anknüp­fungs­merk­mal in der Schweiz, so ist Schwei­zer Recht anwend­bar, wes­we­gen eine nähe­re Loka­li­sie­rung zumeist über­flüs­sig scheint. Auch wenn sich ein sol­ches Anknüp­fungs­merk­mal im Aus­land ver­wirk­licht, wird im Nor­mal­fall schlicht die­ser Staat rele­vant sein.[24] So wird in aller Regel auf das Recht des Staa­tes ver­wie­sen, in dem sich ein spe­zi­fi­sches Anknüp­fungs­merk­mal des Art. 20 IPRG ver­wirk­licht hat, nicht jedoch auf einen bestimm­ten Ort oder Glied­staat in dem Ter­ri­to­ri­um des Staates.

7 Von die­sem Grund­satz aus­ge­nom­men sind Ver­wei­sun­gen auf Mehr­rechts­staa­ten. Dies sind Staa­ten, wel­che föde­ra­lis­tisch orga­ni­siert sind und über kein ein­heit­li­ches Rechts­sys­tem ver­fü­gen. Ein Exem­pel dafür sind die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka mit den unver­ein­heit­lich­ten Rechts­sys­te­men der ein­zel­nen Bun­des­staa­ten. Bei Mehr­rechts­staa­ten ist allei­ne der Ver­weis auf den gesam­ten Staat nicht ziel­füh­rend. Viel­mehr muss dies näher kon­kre­ti­siert wer­den. Nach einer Lehr­mei­nung hat die­se Kon­kre­ti­sie­rung auf dem Wege der «Ver­län­ge­rung» der Anknüp­fung zu erfol­gen. Die­ser zumin­dest für ter­ri­to­ria­le Anknüp­fungs­merk­ma­le zutref­fen­den Mei­nung müss­te also ins­be­son­de­re der Wohn­sitz bei Mehr­rechts­staa­ten nicht bloss in einer Nati­on ver­or­tet wer­den, son­dern dar­über hin­aus näher – bei­spiels­wei­se in einem spe­zi­fi­schen Bun­des­staat – ange­sie­delt wer­den.[25] Gleich kann im Übri­gen auch für die Schweiz gel­ten,[26] wenn es aus­nahms­wei­se auf den Kan­ton oder einen bestimm­ten Ort ankom­men soll.

8 Bei­spiel: Aus zustän­dig­keits­recht­li­cher Sicht kann eine Per­son ihren Wohn­sitz in den USA haben, da sie sich dort seit Jah­ren unun­ter­bro­chen auf­hält. Lebt die­se Per­son aber inner­halb der USA noma­den­ar­tig, so hat sie u.U. in kei­nem Bun­des­staat einen Wohn­sitz. Den­noch wird die Wohn­sitz­zu­stän­dig­keit in den USA zu ver­or­ten sein, da dafür nur der über­ge­ord­ne­te Staat (die USA) rele­vant ist. Für die Fra­ge des anwend­ba­ren Rechts am Wohn­sitz muss hin­ge­gen der mass­geb­li­che Bun­des­staat gefun­den wer­den: bspw. durch Ver­län­ge­rung der Anknüp­fung des Art. 20 IPRG und somit durch Abstel­len auf einen all­fäl­li­gen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt (vgl. Art. 20 Abs. 2 IPRG). Dem­zu­fol­ge kann zustän­dig­keits­recht­lich ein Wohn­sitz bestehen, der kol­li­si­ons­recht­lich nicht besteht.

II. Der Wohnsitz (Abs. 1 lit. a)

9 Art. 20 Abs. 2 IPRG geht – eben­so wie das ZGB (Art. 23 Abs. 2 ZGB) – vom Grund­satz der Wohn­sitz­ein­heit aus:[27] Dem­nach kann eine Per­son nicht an meh­re­ren Orten zur glei­chen Zeit Wohn­sitz haben. Es muss für einen ein­zi­gen Ort unter meh­re­ren mög­li­chen die engs­te Bezie­hung gesucht wer­den (dazu auch N 21 f.).[28] Zudem ist es denk­bar, dass der Wohn­sitz nach IPRG von jenem nach ande­ren Geset­zen (ins­be­son­de­re vom steu­er- oder sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Wohn­sitz) abweicht.[29]

A. Elemente des Wohnsitzes

10 Der Wohn­sitz im Sin­ne des IPR ist nicht ein rein tat­säch­li­cher Begriff, son­dern auch von recht­li­chen Ele­men­ten und Wür­di­gun­gen geprägt.[30] Der Wohn­sitz ist damit ein Rechts­be­griff;[31] ledig­lich die ver­wen­de­ten Indi­zi­en sind Tat­fra­gen, wäh­rend die dar­aus zu fol­gern­de objek­ti­vier­te Nie­der­las­sungs­ab­sicht (und hier­mit letzt­lich der Wohn­sitz) eine Rechts­fra­ge dar­stellt.[32] Zur Wohn­sitz­be­grün­dung bedarf es dem­ge­mäss zwei­er kumu­la­ti­ver Ele­men­te:[33]

  • Ein objek­ti­ves Ele­ment: Der phy­si­sche Auf­ent­halt an einem bestimm­ten Ort bzw. in einem bestimm­ten Staat;
  • Ein sub­jek­ti­ves Ele­ment: Die Absicht des dau­ern­den Ver­blei­bens an die­sem Ort, was jedoch gegen aus­sen erkenn­bar sein muss (objek­ti­vier­ter Massstab).

11 Es ergibt sich dar­aus – so ­ein­hel­lig die Leh­re[34] und Recht­spre­chung[35] – der Lebens­mit­tel­punkt bzw. der Mit­tel­punkt der Lebens­in­ter­es­sen. Nach die­sem Mit­tel­punkt ist folg­lich zur Wohn­sitz­be­stim­mung zu suchen. Zudem ist die Natur der Rechts­fra­ge zu beach­ten, für wel­che die Wohn­sitzan­knüp­fung vor­ge­nom­men wer­den soll (sog. funk­tio­nel­ler Wohn­sitz­be­griff).[36] Im End­ef­fekt bezweckt eine Anknüp­fung an den Wohn­sitz unter dem IPRG nichts ande­res, als den engs­ten Zusam­men­hang mit einer Rechts­ord­nung her­zu­stel­len.[37] Ent­spre­chend fern liegt es aus inter­na­tio­nal­pri­vat­recht­li­cher Sicht, die Wohn­sitzan­knüp­fung an einem Ort zu beja­hen, mit wel­chem der einer Rechts­fra­ge zugrun­de­lie­gen­de Sach­ver­halt kei­ner­lei Zusam­men­hang hat.

1. Das objektive Element: Physischer Aufenthalt

12 Als objek­ti­ves Kri­te­ri­um des Wohn­sit­zes ist die phy­si­sche Anwe­sen­heit an einem Ort bzw. in einem Staat gefor­dert.[38] Solan­ge es allei­ne auf einen bestimm­ten Staat und nicht auf eine nähe­re Bestim­mung (wie ins­be­son­de­re bei Mehr­rechts­staa­ten; dazu N 7) ankommt, so ist der Auf­ent­halt im frag­li­chen Staat aus­rei­chend. Es ist nicht zwin­gend erfor­der­lich, dass sich die Per­son stets am sel­ben Ort in besag­tem Staat auf­hält oder der Auf­ent­halt ohne Unter­brü­che erfolgt.[39]

13 Die Dau­er des phy­si­schen Auf­ent­hal­tes ist grund­sätz­lich nicht rele­vant zur Wohn­sitz­be­stim­mung.[40] Auch bei einem kur­zen Auf­ent­halt kann somit ein Wohn­sitz begrün­det wer­den. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass das sub­jek­ti­ve Ele­ment in Kom­bi­na­ti­on mit dem phy­si­schen Auf­ent­halt ver­wirk­licht wur­de.[41] Die Wohn­sitz­be­grün­dung ist folg­lich bereits ab dem ers­ten Anwe­sen­heits­tag mög­lich,[42] eine bestimm­te bereits erfolg­te Auf­ent­halts­dau­er wird nicht vorausgesetzt.

2. Das subjektive Element: Absicht dauernden Verbleibens

14 Die Absicht dau­ern­den Ver­blei­bens in einem bestimm­ten Staat bzw. an einem bestimm­ten Ort als sub­jek­ti­ves Ele­ment muss gegen aus­sen erkenn­bar gemacht wer­den.[43] Gefor­dert wird eine deut­li­che Mani­fes­ta­ti­on des inne­ren Wil­lens.[44] Da das sub­jek­ti­ve Ele­ment objek­ti­viert betrach­tet wird, wird auch vom objek­ti­vier­ten Wohn­sitz­be­griff gespro­chen.[45]

15 Der inne­re Wil­le zum Ver­bleib kann allei­ne noch nicht mass­geb­lich sein,[46] er muss (nach dem Ver­trau­ens­prin­zip) gegen aus­sen erkenn­bar gemacht wer­den.[47] Infol­ge­des­sen kann der Wohn­sitz auch nicht durch eine blos­se Wil­lens­er­klä­rung begrün­det wer­den.[48] Viel­mehr bedarf es über­dies objek­tiv erkenn­ba­rer Ele­men­te, dass die­ser Wil­lens­er­klä­rung auch tat­säch­lich gefolgt wer­den kann. Es ist sogar denk­bar, dass ein Wohn­sitz wider den Wil­len der Per­son ent­steht, wenn auf­grund von geschaf­fe­nen Tat­sa­chen klar der Schein einer Absicht dau­ern­den Ver­blei­bens ent­steht.[49] Denn der Wil­le zur Begrün­dung des Wohn­sit­zes ist nicht zwin­gend deckungs­gleich mit der vom Gesetz gefor­der­ten Absicht dau­ern­den Ver­blei­bens.[50] Aus wel­chem Motiv eine Per­son sich in einem Staat auf­hält, ist für den Wohn­sitz­be­griff grund­sätz­lich irrele­vant.[51]

16 Frag­lich ist zudem, auf wel­che Zeit­span­ne sich die Absicht des Ver­blei­bens bezie­hen muss. Wenn das Gesetz vom «dau­ern­den» Ver­bleib spricht, meint es nichts ande­res, als «nicht bloss vor­über­ge­hend».[52] Auch ein kur­zer Auf­ent­halt kann prin­zi­pi­ell das sub­jek­ti­ve Ele­ment erfül­len, wenn die äus­ser­lich erkenn­ba­ren Ele­men­te die Errich­tung eines Lebens­mit­tel­punk­tes indi­zie­ren, sprich die Inten­si­tät der Bezie­hung zu einem bestimm­ten Ort hin­rei­chend stark ist.[53] Sofern also eine Per­spek­ti­ve auf einen lan­gen oder andau­ern­den Auf­ent­halt besteht, wird in der Regel Wohn­sitz zu beja­hen sein und zwar unab­hän­gig von der bereits erfolg­ten Dau­er.[54] Aber auch eine nur befris­te­te Absicht kann genü­gen, vor­aus­ge­setzt, der Lebens­mit­tel­punkt wird für die­se Zeit­span­ne effek­tiv ver­la­gert.[55] Mass­geb­lich ist im End­ef­fekt die Inten­si­tät der Bezie­hung zu einem gewis­sen Ort, wie sie sich gegen aus­sen erkenn­bar macht.[56] Regel­mäs­sig lässt sich das sub­jek­ti­ve Ele­ment dort ver­or­ten, wo die fami­liä­ren Inter­es­sen und Bin­dun­gen am stärks­ten loka­li­siert sind.[57] Von die­ser Regel kön­nen aber durch­aus Aus­nah­men bestehen, sofern ande­re Indi­zi­en über­wie­gen (N 17 ff.).

3. Indizien zur Beurteilung des Wohnsitzes

17 Die Leh­re sowie die Recht­spre­chung ent­hält eine Viel­zahl an Indi­zi­en, wel­che bei der Loka­li­sie­rung des Wohn­sit­zes mit­ent­schei­dend sein kön­nen. Die Ansät­ze aus der Recht­spre­chung sol­len ledig­lich als Leit­li­nie die­nen. Es ist stets eine Ein­zel­fall­be­ur­tei­lung unter Berück­sich­ti­gung aller rele­van­ten, gegen aus­sen erkenn­ba­re Umstän­de vor­zu­neh­men.[58] Die Indi­zi­en, auf wel­che zurück­ge­grif­fen wer­den darf, sind mit jenen unter Art. 23 ZGB prin­zi­pi­ell iden­tisch.[59] Dabei müs­sen gleich­wohl die Unter­schie­de zwi­schen den Wohn­sitz­de­fi­ni­tio­nen des ZGB und des IPRG beach­tet werden.

18 Bis­wei­len vor­ge­brach­te Indi­zi­en sind unter ande­rem: Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel wie der Tele­fon­an­schluss oder die Post­adres­se,[60] wobei eine für amt­li­che bzw. gericht­li­che Ver­fah­ren ver­wen­de­te Adres­se ein sehr aus­sa­ge­kräf­ti­ges Indiz sein kann.[61] Hohe Indi­zwir­kung soll­te einer Adres­se in der Schweiz dann zukom­men, wenn an die­ser bereits erfolg­reich eine Betrei­bung oder ein Schwei­zer Ver­fah­ren gegen die betrof­fe­ne Per­son geführt wur­de (zumin­dest, wenn kei­ne Beschwer­de wegen Unzu­stän­dig­keit erho­ben wur­de; vgl. Art. 46 Abs. 1 SchKG). Sofern sich die Sach­la­ge seit­her nicht ver­än­dert hat, wür­de eine Beru­fung auf einen ande­ren Wohn­sitz unter Umstän­den gar einem veni­re con­tra fac­tum pro­pri­um gleich­kom­men. Die Wah­rung medi­zi­ni­scher Ter­mi­ne deu­tet eben­falls auf eine Wohn­sitz­nah­me hin (zumin­dest, wenn kein Auf­ent­halt zur Pfle­ge vor­liegt, vgl. N 26 f.).[62] Eben­so kann eine Kran­ken­ver­si­che­rung ein Indiz sein, wel­ches aber für sich allei­ne kei­nen Rück­schluss zulässt.[63] Fami­liä­re Kon­tak­te kön­nen zwar ein wich­ti­ges Ele­ment sein,[64] vor allem, wenn eine Per­son in einem Staat eine Fami­lie begrün­det hat. Ins­be­son­de­re für unver­hei­ra­te­te (und kin­der­lo­se) Per­so­nen kön­nen fami­liä­re Bezie­hun­gen jedoch auch in den Hin­ter­grund rücken, wenn sie in Kon­kur­renz zu ander­wei­ti­gen (ins­be­son­de­re gewerb­li­chen) Kon­tak­ten ste­hen.[65] Wei­ter berück­sich­tigt wer­den kann etwa eine Haus­rats­ver­si­che­rung,[66] die Ver­wen­dung einer Adres­se in Ver­trä­gen,[67] Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten,[68] regel­mäs­si­ges Gese­hen­wer­den[69], die Aus­übung poli­ti­scher Rech­te,[70] oder das Vor­han­den­sein von Woh­nungs­ein­rich­tun­gen wie Bad oder Küche.[71] Rei­ne Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen zur Wohn­sitz­ver­le­gung kön­nen hin­ge­gen nicht genü­gen, wenn kei­ne Indi­zi­en für eine Ver­schie­bung der per­sön­li­chen und finan­zi­el­len Inter­es­sen vor­lie­gen.[72] Damit der Wohn­sitz über­haupt ver­legt wer­den kann, muss der vor­he­ri­ge Wohn­sitz auf­ge­ge­ben wer­den – dies ver­langt ent­spre­chend einer gewis­se Ände­rung der Ver­hält­nis­se.[73]

19 Öffent­lich-recht­li­che Aspek­te (Aus­wei­se, Wohn­sitz­be­schei­ni­gun­gen, Auf­ent­halts­be­rech­ti­gun­gen, usw.) kön­nen zwar als Indi­zi­en ver­wen­det wer­den, begrün­den indes noch kei­ne Wohn­sitz­ver­mu­tung.[74] Da das IPRG kei­ne (posi­ti­ven) Wohn­sitz­ver­mu­tun­gen kennt, kommt öffent­lich-recht­li­chen Doku­men­ten in die­ser Hin­sicht folg­lich maxi­mal eine erhöh­te Indi­zwir­kung zu.[75] Es ist auch mög­lich, dass der Wohn­sitz abwei­chend vom öffent­li­chen Recht loka­li­siert wird.[76] Zu beach­ten ist, dass selbst ein frem­den­po­li­zei­li­ches Auf­ent­halts­ver­bot bzw. eine feh­len­de Auf­ent­halts­be­wil­li­gung den Wohn­sitz i.S.v. Art. 20 IPRG nicht aus­zu­schlies­sen ver­mag.[77] Irrele­vant ist zudem, ob nach dem natio­nal-auto­no­men Recht des (angeb­li­chen) Wohn­sitz­staa­tes eben­falls Wohn­sitz besteht.[78] Kein Indiz kann die Staats­an­ge­hö­rig­keit dar­stel­len.[79] Bei Wil­lens­äus­se­run­gen der betrof­fe­nen Par­tei soll­te nur mit gros­ser Zurück­hal­tung eine Indi­zwir­kung ange­nom­men wer­den, sofern die­sen nicht erkenn­bar Fol­ge geleis­tet wur­de.[80] Zumin­dest als nega­ti­ves Indiz kön­nen Wil­lens­äus­se­rung jedoch tau­gen: So hat das Bun­des­ge­richt die Wil­lens­äus­se­rung in Zukunft Wohn­sitz in der Schweiz neh­men zu wol­len, als Indiz gegen einen aktu­el­len Schwei­zer Wohn­sitz ver­wen­det.[81]

B. Schwierigkeiten bei der Bestimmung

20 Oft­mals ist der Wohn­sitz unschwer fest­zu­le­gen. Pro­ble­ma­tisch wer­den kann die Bestim­mung, wenn meh­re­re Domi­zi­le bestehen, bei denen kei­nes ein­deu­tig über­wiegt. Ist die Bestim­mung des Wohn­sit­zes unmög­lich, so kann grund­sätz­lich nach Art. 20 Abs. 2 Satz 2 IPRG auf den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt gemäss Art. 20 Abs. 1 lit. b IPRG abge­stellt wer­den. Die­ser Schluss soll­te jedoch nicht bereits bei blos­sen Schwie­rig­kei­ten der Bestim­mung gezo­gen werden.

1. Physischer Aufenthalt in mehreren Staaten

21 Schwie­rig­kei­ten bei der Bestim­mung des Wohn­sit­zes bestehen dann, wenn eine natür­li­che Per­son das objek­ti­ve Ele­ment des Wohn­sit­zes in meh­re­ren Staa­ten ver­wirk­licht. Die Bestim­mung muss dann pri­mär anhand des sub­jek­ti­ven Ele­ments vor­ge­nom­men wer­den. Ein Abstel­len allei­ne auf den phy­si­schen Auf­ent­halt, bei­spiels­wei­se anhand der Tage, wel­che in einem bestimm­ten Staat ver­bracht wer­den, ist nicht ange­zeigt. Bei meh­re­ren mög­li­chen Wohn­sit­zen muss umso mehr auf die Ein­zel­fall­um­stän­de Rück­sicht genom­men wer­den,[82] damit die engs­te Bezie­hung[83] bzw. die stärks­te Inte­gra­ti­on[84] in einem Staat ermit­telt wer­den kann. Bei meh­re­ren Woh­nun­gen so kön­nen gege­be­nen­falls Strom­kos­ten, Reno­va­tio­nen, Bank­ver­bin­dun­gen, Ein­käu­fe am behaup­te­ten Wohn­sitz, Anzahl und Inten­si­tät von Freund­schaf­ten, Imma­tri­ku­la­ti­on eines Fahr­zeu­ges oder der Lage­ort von per­sön­li­chen Effek­ten als Indi­zi­en ver­wen­det und gege­be­nen­falls zwi­schen ver­schie­de­nen Staa­ten ver­gli­chen wer­den.[85]

22 Ein ansehn­li­ches Bei­spiel für kom­pli­zier­te Ver­hält­nis­se bie­ten aus­ser­ge­wöhn­lich wohl­ha­ben­de Per­so­nen, wel­che über meh­re­re Domi­zi­le ver­fü­gen.[86] Sol­che Per­so­nen ver­fü­gen dank ihres gros­sen Ver­mö­gens über grös­se­re Frei­hei­ten und Mög­lich­kei­ten, ihren phy­si­schen Ver­bleib inner­halb kur­zer Zeit auf einen von meh­re­ren mög­li­chen Staa­ten zu ver­le­gen. Zudem kann es auf­grund welt­wei­ter wirt­schaft­li­cher Akti­vi­tä­ten sowie den teil­wei­se weit ver­streu­ten fami­liä­ren und per­sön­li­chen Bezie­hun­gen Schwie­rig­kei­ten berei­ten, den Mit­tel­punkt der Inter­es­sen in einem Staat fest­zu­ma­chen. In sol­chen Fäl­len kann das sub­jek­ti­ve Ele­ment stär­ke­res Gewicht erhal­ten: Wie­der­hol­te, kon­se­quen­te und gegen aus­sen gerich­te­te Äus­se­run­gen, zu wel­chem der mög­li­chen Staa­ten die engs­te Bezie­hung besteht bzw. wo der Wohn­sitz lie­gen soll, sind in sol­chen Fäl­len ein star­kes Indiz für eine star­ke Inte­gra­ti­on. Stets muss jedoch der sub­jek­ti­ve Wil­le objek­tiv von aus­sen erkenn­bar sein. Ent­spre­chend nimmt das Bun­des­ge­richt ins­be­son­de­re bei wohl­ha­ben­den Per­so­nen eine Abwä­gung ver­schie­dens­ter objek­tiv erkenn­ba­rer Indi­zi­en vor (vgl. oben N 17 ff.).[87] Wird den Wil­lens­äus­se­run­gen also augen­schein­lich Fol­ge geleis­tet, liegt die Annah­me des Wohn­sit­zes im bezeich­ne­ten Staat nahe, auch wenn in ande­ren Staa­ten zeit­wei­se gelebt wird.

23 Zeit­wei­se ent­sand­te Arbei­ter wer­den – zumin­dest sofern ihre Fami­lie nicht nach­zieht – ihren Wohn­sitz regel­mäs­sig nicht im neu­en Staat begrün­den.[88] Glei­ches wird oft­mals für Diplo­ma­ten gel­ten.[89] Ähn­lich liegt die Situa­ti­on bei ande­ren Per­so­nen mit bloss vor­über­ge­hen­dem Auf­ent­halt, ohne dass sie ihre Bin­dung zum ande­ren Staat abge­bro­chen haben (so z.B. Stu­den­ten bei regel­mäs­si­ger Rück­kehr zu den Eltern[90] oder im Aus­land­auf­ent­halt, Sai­son­niers[91]). Ein ande­res Pro­blem liegt bei sog. Wel­ten­bumm­lern vor: Die­se ver­le­gen ihren Auf­ent­halt nach ihrem eige­nen Wil­len regel­mäs­sig in ver­schie­de­ne Natio­nen, ohne sich an einem Ort defi­ni­tiv nie­der­las­sen zu wol­len. Bei Ihnen wird zu beur­tei­len sein, ob sie ihren Wohn­sitz end­gül­tig auf­ge­ge­ben haben, oder ob sie vor­aus­sicht­lich in Not­fäl­len (z.B. bei gesund­heit­li­chen oder finan­zi­el­len Pro­ble­men) zurück­keh­ren wür­den.[92] Haben sie ihren Wohn­sitz end­gül­tig auf­ge­ge­ben und kei­nen neu­en begrün­det, so greift die sub­si­diä­re Anknüp­fung an den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt (vgl. Art. 20 Abs. 2 IPRG).

2. «Simulierter» Wohnsitz

24 Noch vor Erlass des IPRG wur­de teil­wei­se das sog. Prin­zip der Echt­heit des Wohn­sit­zes pos­tu­liert, wel­ches einen simu­lier­ten, vor­ge­scho­be­nen oder fik­ti­ven Wohn­sitz ver­hin­dern soll­te.[93] Es stellt sich die Fra­ge, ob ein sol­ches Prin­zip auch in der heu­ti­gen Fas­sung von Art. 20 IPRG zu ver­tre­ten wäre. Ein Wohn­sitz kann in «arg­lis­ti­ger» Absicht begrün­det wer­den (z.B. um sich mög­li­cher Voll­stre­ckung zu ent­zie­hen, einen güns­ti­gen Gerichts­stand zu schaf­fen oder ein güns­ti­ges Recht zur Anwen­dung zu brin­gen). Aus Gesichts­punk­ten des IPRG ist an sol­chen Moti­ven nichts aus­zu­set­zen: Sofern eine Per­son die Ele­men­te von Art. 20 Abs. 1 lit. a IPRG erfüllt, liegt ein Wohn­sitz vor. All­fäl­li­gen Schutz­aspek­ten wird auf zustän­dig­keits­recht­li­cher Ebe­ne bereits mit­tels zwin­gen­der Zustän­dig­kei­ten begeg­net. Auf kol­li­si­ons­recht­li­cher Ebe­ne kann unter Umstän­den eine Kor­rek­tur über die Aus­nah­me­klau­sel (Art. 15 IPRG) oder über den ord­re public (Art. 17 IPRG) gesche­hen bzw. kön­nen Ein­griffs­nor­men (Art. 18 f. IPRG) zur Anwen­dung gelan­gen.[94] Ein rein vor­ge­scho­be­ner «Wohn­sitz», wel­cher nur zum Schein begrün­det wur­de, stellt hin­ge­gen defi­ni­ti­ons­ge­mäss gar kei­nen Wohn­sitz dar. In einem sol­chen Sach­ver­halt ist zwangs­wei­se min­des­tens eine Wohn­sitz­vor­aus­set­zung (min­des­tens die sub­jek­ti­ve) nicht erfüllt,[95] da andern­falls der Wohn­sitz nicht simu­liert wäre. Inso­fern ist dies nicht ein Pro­blem des Wohn­sitz­be­grif­fes, son­dern der kor­rek­ten Wür­di­gung des Sach­ver­hal­tes.  Ein Prin­zip der Echt­heit kann dem­zu­fol­ge im oben aus­ge­führ­ten Sin­ne unter Art. 20 IPRG kei­ne Gel­tung fin­den. Dem Rechts­miss­brauch kann einer­seits durch die all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen zur Wohn­sitz­be­grün­dung Vor­schub geleis­tet wer­den, ande­rer­seits wird dies in bestimm­ten Nor­men durch zusätz­li­che Vor­aus­set­zun­gen getan (z.B. Art. 59 IPRG).[96]

3. Antizipierter Wohnsitz

25 Laut einer Stim­me in der Lite­ra­tur kann ein sog. anti­zi­pier­ter Wohn­sitz begrün­det wer­den, also ein Wohn­sitz, wel­cher erst künf­tig zustan­de kom­men wird.[97] Die Bun­des­ge­richts­ent­schei­de, wel­che im Sin­ne einer Begrün­dung die­ser Mei­nung zitiert wer­den, spre­chen jedoch ledig­lich davon, dass die ins­künf­tig zu erwar­ten­de Dau­er eben­falls bedeut­sam sein kann, wobei stets bereits ein phy­si­scher Auf­ent­halt am frag­li­chen Wohn­sitz gege­ben war.[98] Das Bun­des­ge­richt weist damit viel­mehr dar­auf hin, dass bereits (aber auch frü­hes­tens) ab dem ers­ten Tag am neu­en Ort ein Wohn­sitz bestehen kann. Ein anti­zi­pier­ter Wohn­sitz im oben genann­ten Sin­ne lässt sich dar­aus noch nicht her­lei­ten. Von einem fak­tisch noch gar nicht bestehen­den Wohn­sitz kann unter Art. 20 IPRG kei­ne Rede sein, da alle­mal auch das objek­ti­ve Ele­ment im Sin­ne eines phy­si­schen Auf­ent­hal­tes vor­lie­gen muss.[99]

4. Der Aufenthalt zu Sonderzwecken

26 Den Bestim­mun­gen des ZGB zum Wohn­sitz wird zwar gemäss Art. 20 Abs. 2 IPRG die (direk­te) Anwen­dung ver­sagt, den­noch stel­len sich auch im inter­na­tio­na­len Ver­hält­nis die­sel­ben Fra­gen bei einem Auf­ent­halt zu Son­der­zwe­cken. Ein sol­cher Son­der­zweck liegt vor­nehm­lich beim Auf­ent­halt zur Pfle­ge oder in einer Anstalt vor. Das Bun­des­ge­richt hat die (nega­ti­ve) Ver­mu­tung, dass der Auf­ent­halt zu Son­der­zwe­cken kei­nen Wohn­sitz begrün­det, auch unter dem IPRG zur Anwen­dung gebracht.[100] Wie unter Art. 23 Abs. 1 Satz 2 ZGB ist die­se Ver­mu­tung auch für Art. 20 IPRG wider­leg­bar: Es muss einer­seits (als Vor­be­din­gung der sub­jek­ti­ven Kom­po­nen­te) die Urteils­fä­hig­keit nach­ge­wie­sen wer­den, bevor die (objek­ti­vier­te) Absicht der Wohn­sitz­ver­le­gung und der tat­säch­li­che Auf­ent­halt dar­ge­tan wer­den.[101]

27 Damit am Pfle­ge­ort über­haupt ein Wohn­sitz ent­ste­hen kann, muss defi­ni­ti­ons­ge­mäss der vor­he­ri­ge Wohn­sitz auf­ge­ge­ben wer­den.[102] Ist der Pfle­ge­be­darf nur gering und wur­de der Ort frei gewählt, so deu­tet dies auf eine Wohn­sitz­nah­me am Pfle­ge­ort hin.[103] Beschränkt sich der Auf­ent­halt jedoch nur auf den Son­der­zweck, so ent­steht grund­sätz­lich kein Wohn­sitz.[104] War der Auf­ent­halt aus gesund­heit­li­chen bzw. psy­chi­schen Grün­den gewis­ser­mas­sen erzwun­gen und somit nicht aus frei­en Stü­cken gewählt (ins­be­son­de­re, wenn der Pfle­ge­ort von Drit­ten ange­ord­net wird), wird am Pfle­ge­ort in der Regel kein Wohn­sitz begrün­det.[105] Der «Zwang der Umstän­de» begrün­det aber dann einen Wohn­sitz, wenn die Anstalt frei gewählt wer­den konn­te.[106] Trotz einem Wil­len, nach erfolg­ter Gene­sung in ein ande­res Land zurück­zu­keh­ren, kann der Wohn­sitz am Pfle­ge­ort den­noch bejaht wer­den.[107] Der Wohn­sitz hat also einem Selbst­zweck – dem «Leben» – zu die­nen und nicht bloss dem Son­der­zweck.[108]

5. Handlungs- bzw. urteilsunfähige Personen

28 Das IPRG ver­langt Urteils­fä­hig­keit als Vor­aus­set­zung zur Wohn­sitz­be­grün­dung.[109] Dies kann unter ande­rem dar­aus geschlos­sen wer­den, dass das IPRG in Art. 66 ff. für Kin­der (als Vor­zei­ge­bei­spiel für Urteils­un­fä­hig­keit) nur auf den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt Bezug nimmt.[110] Die­se Fol­ge­rung ent­spricht auch dem gesetz­ge­be­ri­schen Wil­len.[111] Dies ist inso­fern bedau­erns­wert, als dadurch die Fra­ge auf­ge­wor­fen wird, nach wel­chem Sta­tut die Urteils­fä­hig­keit beur­teilt wer­den soll. In Wohn­sitz­fra­gen ist zumin­dest grund­sätz­lich eine tie­fe Schran­ke an die Urteils­fä­hig­keit zu stel­len.[112] Es soll auch hand­lungs­un­fä­hi­gen Per­so­nen mög­lich sein, einen Wohn­sitz zu begrün­den, sofern sie in die­ser Hin­sicht urteils­fä­hig sind.[113] Liegt infol­ge Urteils­un­fä­hig­keit kein Wohn­sitz vor, kann gege­be­nen­falls auf die Ersatzan­knüp­fung des gewöhn­li­chen Auf­ent­halts zurück­ge­grif­fen wer­den (dazu N 30 u. 38 ff.).[114]

C. Verhältnis zu den Wohnsitzbestimmungen des ZGB

29 Der Wort­laut von Art. 20 Abs. 1 lit. a IPRG ist stark an jenen des Art. 23 Abs. 1 ZGB ange­lehnt.[115] Aller­dings schliesst Art. 20 Abs. 2 Satz 3 IPRG aus, dass die Bestim­mun­gen des ZGB über den Wohn­sitz im inter­na­tio­na­len Ver­hält­nis ange­wen­det wer­den. Das Bun­des­ge­richt hat indes bestä­tigt, dass die Aus­le­gung von Art. 20 Abs. 1 lit. a IPRG sich eng an jener von Art. 23 Abs. 1 ZGB zu ori­en­tie­ren hat.[116] Somit kann im Grun­de auch Lite­ra­tur und Recht­spre­chung zum Wohn­sitz nach ZGB her­bei­ge­zo­gen wer­den.[117] Bei der Aus­le­gung des Art. 20 IPRG ist aber stets des­sen kol­li­si­ons­recht­li­cher Cha­rak­ter im Hin­ter­kopf zu behal­ten.[118] Klar aus­ge­schos­sen sind im inter­na­tio­na­len Ver­hält­nis auf­grund Art. 20 Abs. 2 IPRG der fort­ge­setz­te Wohn­sitz nach Art. 24 Abs. 1 ZGB sowie der abge­lei­te­te Wohn­sitz i.S.v. Art. 25 ZGB.[119] Ins­ge­samt kennt das IPRG kei­ne (posi­ti­ven) Ver­mu­tun­gen, wel­che einen Wohn­sitz begrün­den.[120] Dies lässt sich dar­aus schlies­sen, dass fik­ti­ve oder abge­lei­te­te Wohn­sit­ze nicht die kol­li­si­ons- und zustän­dig­keits­recht­lich gefor­der­te Nähe zu einem Rechts­ver­hält­nis bzw. dem Sach­ver­halt auf­wei­sen.[121] Anders als im ZGB muss unter Art. 20 IPRG nicht zwin­gend ein Wohn­sitz vor­lie­gen – es ist also mög­lich, dass eine Per­son kei­nen Wohn­sitz hat.[122] Der Wohn­sitz nach IPRG kann zwar leich­ter auf­ge­ge­ben wer­den als jener des ZGB, nicht jedoch leich­ter begrün­det.[123] Sofern ein inter­na­tio­na­ler Sach­ver­halt vor­liegt, muss der Wohn­sitz­be­griff des IPRG jenem des ZGB vor­ge­hen.[124]

III. Der gewöhnliche Aufenthalt (Abs. 1 lit. b)

30 Der gewöhn­li­che Auf­ent­halt kann in zwei­er­lei Hin­sicht rele­vant wer­den: Einer­seits als Anknüp­fungs­merk­mal bei ver­schie­de­nen Nor­men des IPRG, ande­rer­seits als Ersatzan­knüp­fung, wenn kein Wohn­sitz besteht. Direk­te Anknüp­fun­gen an den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt fin­den sich gröss­ten­teils in den Nor­men des Kin­des­rechts (vgl. Art. 66 ff. IPRG). Der Umstand, dass der gewöhn­li­che Auf­ent­halt als Ersatzan­knüp­fung fun­giert (vgl. N 38 ff.), zieht auch nach sich, dass er nicht leicht­fer­tig ange­nom­men wer­den soll­te.[125] Der Begriff ent­stammt den diver­sen Haa­ger Über­ein­kom­men[126] und fin­det sich auch in ande­ren Über­ein­kom­men, nament­lich in Art. 5 LugÜ wieder.

31 Aus der his­to­ri­schen Ent­wick­lung von Art. 20 Abs. 1 lit. b IPRG geht her­vor, dass die Aus­le­gung sich am in den ver­schie­de­nen Haa­ger Über­ein­kom­men ver­wen­de­ten Begriff anleh­nen darf.[127] Die­se Anleh­nung ist weit­ge­hend zu befür­wor­ten, kann jedoch auf­grund sys­te­ma­ti­scher Dif­fe­ren­zen nicht so weit gehen, als dass sich der Begriff des gewöhn­li­chen Auf­ent­halts nach dem IPGR voll­ends mit jenem der Haa­ger Über­ein­kom­men decken kann.[128] Der Begriff der Haa­ger Über­ein­kom­men ist stets staats­ver­trags­au­to­nom aus­zu­le­gen und hat den dies­be­züg­li­chen Aus­le­gungs­prin­zi­pi­en zu fol­gen.[129] Im Anwen­dungs­be­reich der Haa­ger Über­ein­kom­men darf wegen des Vor­ran­ges von Staats­ver­trä­ge und der ver­trags­au­to­no­men Aus­le­gung grund­sätz­lich nicht auf die für Art. 20 IPRG ent­wi­ckel­ten Prin­zi­pi­en zurück­ge­grif­fen wer­den.[130] Im Anwen­dungs­be­reich des IPRG kommt eine Aus­le­gung im Lich­te der Haa­ger Über­ein­kom­men hin­ge­gen durch­aus in Fra­ge,[131] nament­lich auf­grund der his­to­ri­schen Aus­le­gung. Eine sol­che ist auch begrüs­sens­wert, um den inter­na­tio­na­len Ent­schei­dungs­ein­klang zu för­dern. Unter­schie­de kön­nen sich dann aber auf­grund einer funk­tio­nel­len Aus­le­gung erge­ben, ins­be­son­de­re wegen der Mög­lich­keit der sub­si­diä­ren Anknüp­fung an den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt (vgl. N 38 ff.), wel­che den Haa­ger Über­ein­kom­men grund­sätz­lich fremd ist.[132] Auch kennt das IPRG – im Gegen­satz zu den Haa­ger Über­ein­kom­men (vgl. bspw. Art. 6 HEsÜ) – kei­ne sub­si­diä­re Anknüp­fung an den schlich­ten Auf­ent­halt respek­ti­ve den blos­sen Auf­ent­halts­ort. Die­se Unter­schie­de gilt es zu berück­sich­ti­gen, wenn eine Aus­le­gung par­al­lel zu den Haa­ger Über­ein­kom­men vor­ge­nom­men wer­den soll. Dar­aus folgt, dass in Rechts­ge­bie­ten, in wel­chen das IPRG den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt als Prim­är­an­knüp­fung vor­sieht (nament­lich in Kin­der­be­lan­gen gemäss Art. 66 ff. IPRG), eine Ana­lo­gie zu den Haa­ger Über­ein­kom­men gross­zü­gi­ger ange­nom­men wer­den darf. Bil­det der gewöhn­li­che Auf­ent­halt dage­gen nur die sub­si­diä­re Anknüp­fung (vgl. Art. 20 Abs. 2 IPRG), so soll­ten Ana­lo­gie­schlüs­se vor­sich­ti­ger gehand­habt wer­den, Fäl­le, in wel­chen der gewöhn­li­che Auf­ent­halt nach den Haa­ger Über­ein­kom­men nicht mit jenem nach Art. 20 Abs. 1 lit. b IPGR über­ein­stimmt, dürf­ten den­noch abso­lu­te Aus­nah­me­fäl­le darstellen.

32 Der gewöhn­li­che Auf­ent­halt kann an einem ande­ren Ort zu lie­gen kom­men, als der Wohn­sitz.[133] Dem ist so, wenn kei­ne gegen aus­sen erkenn­ba­re Absicht des dau­ern­den Ver­bleibs besteht, aber den­noch ein län­ge­rer Auf­ent­halt an einem Ort fak­tisch erfolgt. Dies kann zum Bei­spiel bei einem Aus­land­stu­di­um, bei Sai­son­niers oder bei ent­sand­ten Arbeit­neh­mern der Fall sein.[134] Der gewöhn­li­che Auf­ent­halt kann deut­lich ein­fa­cher gewech­selt wer­den als der Wohn­sitz und ist inso­fern eine weni­ger sta­bi­le Anknüp­fung.[135] Es ist aus­nahms­wei­se auch mög­lich, dass eine Per­son an meh­re­ren Orten ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat, die Bestim­mung des Art. 20 Abs. 2 IPRG sich nur auf das Ver­bot des mehr­fa­chen Wohn­sit­zes bezieht. Mit der h.L. ist dem grund­sätz­lich zuzu­stim­men, sofern die erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für einen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in meh­re­ren Staa­ten ver­wirk­licht wer­den.[136] Bereits infol­ge der Bezeich­nung als «gewöhn­li­cher» Auf­ent­halt scheint es prak­tisch kaum mög­lich, dass eine Per­son sich tat­säch­lich in meh­re­ren Staa­ten zur sel­ben Zeit gewöhn­lich auf­hält.[137] Wegen der sub­si­diä­ren Anwend­bar­keit des Auf­ent­hal­tes in Absenz eines Wohn­sit­zes schaf­fen meh­re­re gewöhn­li­che Auf­ent­halts­or­te auch wei­te­re Pro­ble­me und Unsi­cher­hei­ten.[138] Auf meh­re­re gewöhn­li­che Auf­ent­halts­or­te soll­te folg­lich nur in Aus­nah­me­fäl­len geschlos­sen wer­den, wenn die Vor­aus­set­zun­gen in meh­re­ren Staa­ten in glei­chem Mas­se erfüllt wer­den. Ein sol­cher Fall kann bspw. bei «Jet-Set­tern» bestehen.[139] Lässt sich hin­ge­gen an einem Ort ein Über­ge­wicht der Indi­zi­en ver­or­ten, so besteht aus­schliess­lich an die­sem Ort der gewöhn­li­che Aufenthalt.

A. Voraussetzungen

1. «Leben»

33 Bei der Beur­tei­lung des gewöhn­li­chen Auf­ent­hal­tes kommt es nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers stär­ker auf den «äus­se­ren Anschein» an als beim Wohn­sitz.[140] Der Schwer­punkt liegt auf dem tat­säch­li­chen Vor­gang der phy­si­schen Anwe­sen­heit einer Per­son an einem Ort von gewis­ser Dau­er (Tat­fra­ge).[141] Ent­ge­gen dem Bun­des­ge­richt[142] ist jedoch nicht der «Schwer­punkt der Lebens­ver­hält­nis­se» am Ort gefor­dert, da andern­falls der gewöhn­li­che Auf­ent­halt zu sehr dem Wohn­sitz ange­nä­hert wür­de.[143] Den­noch fol­gen dar­aus recht­li­che Wür­di­gun­gen – die Beur­tei­lung ob die­ser Auf­ent­halt einen hin­rei­chen­den äus­se­ren Anschein begrün­det – wel­che den Begriff im Ergeb­nis zur Rechts­fra­ge machen.[144]

34 Auch der gewöhn­li­che Auf­ent­halt kann eine gewis­se sub­jek­ti­ve Kom­po­nen­te ent­hal­ten.[145] Denn der Norm­wort­laut for­dert, dass die Per­son am gewöhn­li­chen Auf­ent­halt «lebt». Hand­lun­gen, wel­che auf ein «Leben» an einem Ort deu­ten, erfol­gen in aller Regel nur mit dem Wil­len der betrof­fe­nen Per­son (aus­ge­nom­men z.B. urteils­un­fä­hi­ge Per­so­nen). Aller­dings kann auch ohne oder gar gegen den aus­drück­li­chen Wil­len der betrof­fe­nen Per­son ein gewöhn­li­cher Auf­ent­halt begrün­det wer­den.[146] Ein – wenn auch län­ge­rer – Feri­en­auf­ent­halt oder ein erzwun­ge­ner Auf­ent­halts­wech­sel (bspw. bei Ent­füh­rung[147]) ver­mö­gen im Grun­de kei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt zu begrün­den.[148] Denn immer­hin bedarf es einem äus­ser­lich erkenn­ba­ren Min­dest­mass an per­sön­li­cher, beruf­li­cher oder zumin­dest emo­tio­na­ler Bin­dung, damit über­haupt ein «Leben» an einem Ort vor­lie­gen kann.[149] An solch sub­jek­ti­ve Kri­te­ri­en soll dabei kei­ne hohe Schran­ke gesetzt wer­den: Sobald eine Bin­dung nicht klar ver­neint wer­den kann, soll­te den Anfor­de­run­gen genü­ge getan wor­den sein. So kann auch bei län­ger­fris­ti­ger Unter­brin­gung in einem Gefäng­nis ein gewöhn­li­cher Auf­ent­halt bejaht wer­den, wäh­rend bei einer Ent­füh­rung in der Regel kei­ne hin­rei­chen­de Bezie­hung auf­ge­baut wird.[150]

2. «Während längerer Zeit»

35 Der Wort­laut von Art. 20 Abs. 1 lit. b IPRG ver­langt den Auf­ent­halt «wäh­rend län­ge­rer Zeit». Durch die­ses Ele­ment grenzt sich der gewöhn­li­che Auf­ent­halt vom blos­sen Auf­ent­halts­ort ab.[151] Teil­wei­se wird vor­ge­bracht, es brau­che eine gewis­se Min­dest­dau­er.[152] Solch abs­trak­te Min­dest­dau­ern sind abzu­leh­nen:[153] es wird weder eine geplan­te noch eine bereits erfolg­te Min­dest­dau­er gefor­dert.[154] Viel­mehr ist auf die Umstän­de des Ein­zel­falls abzu­stel­len, ob bereits ein genü­gend lan­ger Auf­ent­halt besteht oder die­ser zumin­dest zu erwar­ten ist.[155] Frei­lich wird es kaum mög­lich sein, die erfor­der­li­che Bezie­hung – also ein «Leben» (vgl. oben N 33 f.) – in weni­ger als eini­gen Mona­ten auf­zu­bau­en.[156] Gera­de im Hin­blick auf Kin­der kann den­noch nicht abs­trakt dar­auf abge­stellt wer­den, dass bereits eine län­ge­re Zeit am Ort gelebt wor­den sein muss.[157] Zen­tral ist alle­mal, ob gegen aus­sen der Ein­druck ent­steht, eine Per­son hal­te sich nor­ma­ler­wei­se oder zumin­dest meis­tens an die­sem Ort auf.[158] Kür­ze­re Unter­bre­chun­gen lösen den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt nicht auf, sofern die Bin­dung zu die­sem Ort bestehen bleibt.[159]

B. Schwierigkeiten bei der Bestimmung des gewöhnlichen Aufenthaltes

36 Die sog. Wel­ten­bumm­ler (vgl. N 23) bie­ten auch bei der Fest­stel­lung des gewöhn­li­chen Auf­ent­hal­tes Pro­ble­me. Oft­mals kann für Wel­ten­bumm­ler kein Wohn­sitz fest­ge­stellt wer­den, da sie regel­mäs­sig kei­ne Absicht haben, sich an einem Ort dau­ernd nie­der­zu­las­sen. Somit wird sub­si­di­är auf ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt zurück­ge­grif­fen (Art. 20 Abs. 2 IPRG). Der gewöhn­li­che Auf­ent­halt kann für Wel­ten­bumm­ler jedoch eben­so schwie­rig zu fin­den sein, da auch die­ser erfor­dert, dass die Per­son an einem Ort «wäh­rend län­ge­rer Zeit lebt». Keh­ren sie wie­der­holt in den­sel­ben Staat zurück oder hal­ten sie sich deut­lich län­ger dort auf, wird der gewöhn­li­che Auf­ent­halt dort anzu­neh­men sein. Ansons­ten ist auf den Rechts­schein abzu­stel­len, wobei es durch­aus mög­lich ist, dass der gewöhn­li­che Auf­ent­halt sich oft und rasch verschiebt.

37 Für (allen­falls wider­recht­lich) ins Aus­land ver­brach­te Kin­der soll­te der gewöhn­li­che Auf­ent­halt dort ange­nom­men wer­den, wo die engs­ten bzw. sta­bils­ten fami­liä­ren Bezie­hun­gen zu ver­or­ten sind.[160] Hier­bei bie­tet sich (sofern die ein­schlä­gi­gen Über­ein­kom­men nicht ohne­hin anwend­bar sind) eine Ana­lo­gie zu den Begrif­fen der Haa­ger Über­ein­kom­men an. In der Regel wird die engs­te Bezie­hung beim sor­ge­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten zu loka­li­sie­ren sein.[161] Für neu­ge­bo­re­ne Kin­der ist der gewöhn­li­che Auf­ent­halt ver­mu­tungs­wei­se an jenem Ort zu loka­li­sie­ren, an wel­chem die Bin­dun­gen des betreu­en­den Eltern­teils am stärks­ten sind.[162] Im Rah­men der funk­tio­nel­len Anknüp­fung ist in Fra­gen, wel­che Kin­der betref­fen, nur zurück­hal­tend eine Ver­schie­bung des gewöhn­li­chen Auf­ent­hal­tes anzu­neh­men, wenn sie wider­recht­lich in einen Staat gebracht wur­den.[163]

C. Das Verhältnis des gewöhnlichen Aufenthalts zum Wohnsitz

38 Laut Art. 20 Abs. 2 IPRG ist in Fäl­len, in wel­chen eine Per­son nir­gends Wohn­sitz hat, der gewöhn­li­che Auf­ent­halt zu berück­sich­ti­gen. Die­se sub­si­diä­re Anwen­dung kommt jedoch gemäss dem expli­zi­ten Wort­laut von Art. 20 Abs. 2 IPRG nur dann in Fra­ge, wenn weder in der Schweiz noch im Aus­land ein Wohn­sitz loka­li­siert wer­den kann. In Anbe­tracht der Sub­si­dia­ri­tät erklärt sich auch, dass für jede Per­son ein gewöhn­li­cher Auf­ent­halt ver­or­tet wer­den muss – andern­falls lie­fen diver­se Anknüp­fun­gen in Erman­ge­lung sowohl eines Wohn­sit­zes als auch eines gewöhn­li­chen Auf­ent­hal­tes ins Lee­re.[164]

39 Der gewöhn­li­che Auf­ent­halt gelangt ins­be­son­de­re dann zur Anwen­dung, wenn der bis­he­ri­ge Wohn­sitz auf­ge­ge­ben wird und kein neu­er Wohn­sitz begrün­det wird.[165] Die sub­si­diä­re Anknüp­fung an den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt soll nicht bereits dann zur Anwen­dung kom­men, wenn die Kri­te­ri­en zur Bestim­mung des Wohn­sit­zes nicht ein­deu­tig sind. Mit ande­ren Wor­ten wird nicht bereits dann nach dem gewöhn­li­chen Auf­ent­halt gefragt, wenn meh­re­re mög­li­che Wohn­sit­ze bestehen, son­dern erst, wenn kein Ort als Wohn­sitz gel­ten kann. In aller Regel nicht zur Anwen­dung kom­men wird die sub­si­diä­re Anknüp­fung bei Per­so­nen, wel­che trotz Auf­ent­halt in ver­schie­de­nen Staa­ten eine deut­li­che und erkenn­bar enge­re Bezie­hung zu einem Staat pfle­gen: die­se haben nach wie vor einen Wohn­sitz. Dies ist der Fall, wenn Per­so­nen bloss zeit­wei­se in ver­schie­de­nen Staa­ten oder aus­ser­halb eines staat­li­chen Gebiets leben. So z.B. für Gast­ar­bei­ter mit kur­zer Auf­ent­halts­dau­er in ver­schie­de­nen Staa­ten (Tou­ris­mus, Mis­sio­nä­re, usw.), Hoch­see­ar­bei­ter oder Reisende.

40 Die Ersatzan­knüp­fung an den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt bezieht sich im Grun­de sowohl auf Kol­li­si­ons- wie auch auf Zustän­dig­keits­re­geln. Ver­ein­zelt kann aus­schliess­lich an den Wohn­sitz ange­knüpft wer­den, wes­we­gen eine Beru­fung auf den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt nicht zuläs­sig ist. Dies wird im Erbrecht (Art. 86 ff. IPRG) der Fall sein, wo auf den «letz­ten Wohn­sitz» abge­stellt wird. Hat eine Per­son vor ihrem Tod den Wohn­sitz auf­ge­ge­ben und ist an ihrem gewöhn­li­chen Auf­ent­halt gestor­ben, ist nichts­des­to­trotz auf den letz­ten Wohn­sitz abzu­stel­len.[166] Eine Aus­nah­me kann nur dann vor­lie­gen, wenn der Erb­las­ser zu kei­nem Zeit­punkt einen Wohn­sitz hat­te.[167] Bestimm­te Nor­men sehen zudem die Mög­lich­keit vor an den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Schweiz anzu­knüp­fen, wenn kein Wohn­sitz in der Schweiz besteht (z.B. Art. 46 IPRG). In sol­chen Fäl­len ist der gewöhn­li­che Auf­ent­halt nicht erst dann sub­si­di­är, wenn nir­gend­wo ein Wohn­sitz vor­liegt, son­dern bereits wenn kein Schwei­zer Wohn­sitz vor­liegt.[168]  

IV. Die Niederlassung (Abs. 1 lit. c)

41 Die Nie­der­las­sung befin­det sich am Schwer­punkt der geschäft­li­chen Tätig­keit einer natür­li­chen Per­son. Es ist auf den Mit­tel­punkt der Akti­vi­tä­ten abzu­stel­len, wel­che auf die Erzie­lung eines Erwerbs gerich­tet sind.[169] Auch für die Nie­der­las­sung ist die Anle­gung auf eine bestimm­te Dau­er hin gefor­dert,[170] wes­we­gen bloss vor­über­ge­hen­de Markt- oder Mes­se­stän­de nicht genü­gen.[171] Nicht erfor­der­lich ist, dass die Erwerbs­tä­tig­keit haupt­be­ruf­lich aus­ge­übt wird.[172] Wesent­lich ist der Rechts­schein, wel­cher nach dem Ver­trau­ens­prin­zip für Drit­te geschaf­fen wird.[173]

42 Als Nie­der­las­sung einer natür­li­chen Per­son gel­ten eine Werk­statt, ein Ver­kaufs­lo­kal, ein Ate­lier oder ein Büro.[174] Bei­spie­le dafür kön­nen auch die Pra­xis eines selb­stän­di­gen Anwal­tes oder das Büro eines Archi­tek­ten sein.[175] Der mass­geb­li­che Loka­li­sie­rungs­zeit­punkt ist jener, in wel­chem das betrof­fe­ne ver­trag­li­che (oder delik­ti­sche) Ver­hält­nis bestand[176] – ein nach Been­di­gung die­ses Ver­hält­nis­ses erfolg­te Ver­le­gung der Nie­der­las­sung soll­te unbe­acht­lich blei­ben. Für juris­ti­sche Per­so­nen bzw. Trusts ist nicht Art. 20, son­dern Art. 21 IPRG anwend­bar. Der Nie­der­las­sungs­be­griff nach Art. 20 Abs. 1 lit. c IPRG erfasst somit haupt­säch­lich noch Ein­zel­kauf­leu­te.[177]


[1] Vgl. Bot­schaft IPRG, S. 315; Schwan­der, N. 1 zu Art. 20 IPRG.

[2] Bot­schaft IPRG, S. 315 f.; Keller/Siehr, S. 314. Vgl. Schnyder/Liatowitsch, Rz. 138 f.

[3] Zum Gan­zen: Kno­e­pf­ler/­Schwei­zer/O­the­nin-Girard, Rz. 444 ff.

[4] Bot­schaft IPRG, S. 318 u. 344; vgl. Duto­it, N. 4 zu Art. 20 IPRG; Schwan­der, Rz. 399 u. 201.

[5] Vgl. Bot­schaft IPRG, S. 319 f.

[6] Levan­te, S. 47 f.; Walter/Domej, S. 118 f.

[7] Mar­kus, Rz. 291; Schnyder/Liatowitsch, Rz. 544. Aus­nah­men kön­nen sich aus Art. 39 Abs. 1 und Art. 91 Abs. 1 IPRG erge­ben, vgl. dazu Kren Kost­kie­wicz, Rz. 625.

[8] Zu den inter­na­tio­nal diver­gie­ren­den Wohn­sitz­be­grif­fen: Levan­te, S. 19 ff. m.w.H.

[9] Urteil 5A_68/2017 vom 21. Juni 2017 E. 2.3; BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 13 zu Art. 20 IPRG; CHK-Buhr/­Ga­bri­el/­Schramm, N. 3 zu Art. 20 IPRG; Kren Kost­kie­wicz, Rz. 631 f.

[10] Kren Kost­kie­wicz, Rz. 644; vgl. Kno­e­pf­ler/­Schwei­zer/O­the­nin-Girard, Rz. 214.

[11] BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 20 zu Art. 20 IPRG; Schnyder/Liatowitsch, Rz. 548; Siehr, S. 541 f.; Truni­ger, Rz. 73.

[12] Dazu: Furrer/Girsberger/Siehr, Rz. 471 ff.; Keller/Siehr, S. 406 ff.; Kno­e­pf­ler/­Schwei­zer/O­the­nin-Girard, Rz. 214 ff.

[13] Vgl. Furrer/Girsberger/Siehr, Rz. 497 ff. m.w.H.; Kren Kost­kie­wicz, Rz. 644.

[14] BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 22 zu Art. 20 IPRG; Grolimund/Schnyder, S. 91; Kno­e­pf­ler/­Schwei­zer/O­the­nin-Girard, Rz. 652b; Levan­te, S. 65 f.; ZK-Mül­ler-Chen, N. 58 vor Art. 2–10 IPRG. Zuguns­ten des Zeit­punk­tes der Zustän­dig­keits­ent­schei­dung a.M.: Kren Kost­kie­wicz, Rz. 643.

[15] BGE 129 III 404 E. 4.3; BGE 116 II 9 E. 5; Urteil 5A_235/2012 vom 31. August 2012 E. 5.1.

[16] Bonomi/Bucher, Rz. 85; Mar­kus, Rz. 181. Dif­fe­ren­zie­rend: Levan­te, S. 66 f.

[17] BGE 116 II 9 E. 5; vgl. unter Hin­weis ins­be­son­de­re auf Schei­dungs­kla­gen CHK-Buhr/­Ga­bri­el/­Schramm, N. 17 zu Art. 20 IPRG. Allei­ne zuguns­ten der Kla­ge­ein­lei­tung a.M. BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 22 zu Art. 20 IPRG.

[18] CR LDIP-Bucher, N. 12 zu Art. 26 IPRG. Der genaue Zeit­punkt ist nach dem dafür ein­schlä­gi­gen aus­län­di­schen Recht zu bestim­men: Kren Kost­kie­wicz, Rz 645. Dif­fe­ren­zie­rend ZK-Mül­ler-Chen, N. 20 f. zu Art. 26 IPRG.

[19] Boh­ne­t/O­the­nin-Girard, S. 153; CR LDIP-Bucher, N. 15 zu Art. 20 IPRG. Dies ergibt sich bereits aus dem Wort­laut des Art. 20 Abs. 1 IPRG, wel­cher jeweils von «in dem Staat» spricht.

[20] Walter/Domej, S. 91 f.; ZK-Mül­ler-Chen, N. 52 vor Art. 2–10 IPRG.

[21] Mar­kus, Rz. 184 u. 191; Schnyder/Liatowitsch, Rz. 276 f. u. 549; Walter/Domej, S. 91 f.

[22] CHK IPRG-Buhr/­Ga­bri­el/­Schramm, N. 4 zu Art. 20 IPRG; Levan­te, S. 55.

[23] Boh­ne­t/O­the­nin-Girard, S. 154.

[24] Vgl. Levan­te, S. 56.

[25] Furrer/Girsberger/Siehr, Rz. 559; Schnei­der, Rz. 270 f. Dif­fe­ren­zie­rend: Bucher/Bonomi, Rz. 461. Zuguns­ten des inter­lo­ka­len Kol­li­si­ons­recht oder allen­falls einer ander­wei­ti­gen Anknüp­fung a.M. Duto­it, N. 7 zu Art. 13 IPRG; Kno­e­pf­ler/­Schwei­zer/O­the­nin-Girard, Rz. 188 f.; Schwan­der, Rz. 405.

[26] Vgl. Boh­ne­t/O­the­nin-Girard, S. 154.

[27] Duto­it, N. 10 zu Art. 20 IPRG.

[28] Kren Kost­kie­wicz, Rz. 634.

[29] Duto­it, N. 3 zu Art. 20 IPRG.

[30] Vgl. Lau­be, S. 20 f.

[31] Sie­he bereits von Stei­ger, S. 12 f. So auch Schwan­der, N. 2 zu Art. 20 IPRG.

[32] BGE 120 III 7 E. 2a; Urteil 5A_419/2020 vom 16. April 2021 E. 2.3; Urteil 5A_270/2012 vom 24. Sep­tem­ber 2012 E. 4.2.3.

[33] Vgl. Kren Kost­kie­wicz, Rz. 626; Mar­kus, Rz. 296; Spühler/Meyer, S. 25.

[34] Guil­laume, S. 88; Levan­te, S. 50; Mar­kus, Rz. 295; Mas­me­jan, S. 70 f.; OFK-Kren Kost­kie­wicz, N. 7 zu Art. 20 IPRG; vgl. CR LDIP-Bucher, N. 1 zu Art. 20 IPRG; Siehr, S. 139; Truni­ger, Rz. 75.

[35] Statt Vie­ler: BGE 120 III 7; BGE 119 II 64 E. 2bb.

[36] Hru­besch-Mil­lau­er/­Bür­ki, S. 120; Kren Kost­kie­wicz, Rz. 628; vgl. Bot­schaft IPRG, S. 317; BK-Bucher, N. 21 f. vor Art. 23 ZGB.

[37] BGE 119 II 64 E. 2aa; Urteil 5A_663/2009 vom 1. März 2010 E. 2.2.1.

[38] Levan­te, S. 49; Mar­kus, Rz. 296.

[39] Vgl. Urteil 5A_609/2011 vom 14. Mai 2012 E. 4.2.4 (vor­über­ge­hen­de Aus­land­auf­ent­hal­te heben den Wohn­sitz nicht auf); Urteil 5C.247/2004 vom 10. Febru­ar 2005 E. 4.3; Duto­it, N. 3 zu Art. 20 IPRG.

[40] Mar­kus, Rz. 296.

[41] Levan­te, S. 53.

[42] Urteil 5A_398/2007 vom 28. April 2008 E. 3.2; Urteil 5C.163/2005 vom 25. August 2005 E. 4.1; BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 18 zu Art. 20 IPRG.

[43] Bot­schaft IPRG, S. 316 f.

[44] BGE 119 II 64 E. 2b/bb; BGE 115 II 120 E. 4a.

[45] OFK IPRG-Kren Kost­kie­wicz, N. 6 zu Art. 20 IPRG.

[46] Urteil 5A_725/2010 vom 12. Mai 2011 E. 2.3; OFK IPRG-Kren Kost­kie­wicz, N. 6 zu Art. 20 IPRG.

[47] Haus­heer/Aebi-Mül­ler, Rz. 397; BK-Bucher, N. 12 zu Art. 23 ZGB.

[48] Urteil 5A_267/2012 vom 21. Novem­ber 2012 E. 6.4; Lau­be, S. 23; vgl. BGE 120 III 7 E. 2b.

[49] Bucher, Rz. 338 f.; Vgl. Urteil 5A_725/2010 vom 12. Mai 2011 E. 2.3 (Erb­las­ser bekun­de­te zu Leb­zei­ten den Wil­len der Wohn­sitz­nah­me in den USA, BGer nahm den­noch Wohn­sitz in der Schweiz an); fer­ner Urteil 9C_98/2017 vom 9. Juni 2017 E. 2.4 (Per­so­nen woll­ten «Wel­ten­bumm­ler» sein, Wohn­sitz trotz­dem in den USA ange­nom­men); Schnei­der, Rz. 283.

[50] Lau­be, S. 26; Schnei­der, Rz. 283 (der Wil­le ist ein «Tat­wil­le», kein «Erfolgs­wil­le»).

[51] Haus­heer/Aebi-Mül­ler, Rz. 398; BSK ZGB I‑Staehelin, N. 24 zu Art. 23 ZGB.

[52] Lau­be, S. 27; vgl. ZK-Kren Kost­kie­wicz, N. 19 zu Art. 20 IPRG.

[53] Bucher, Rz. 345; Levan­te, S. 53

[54] Urteil 5A_30/2015 vom 23. März 2015 E. 4.1.1; Mar­kus, Rz. 296.

[55] Urteil 5A_419/2020 vom 16. April 2021 E. 3.2.2; Urteil 5A_725/2010 vom 12. Mai 2011 E. 2.3; vgl. ZK-Kren Kost­kie­wicz, N. 22 zu Art. 20 IPRG; a.M. wohl Furrer/Girsberger/Siehr, Rz. 307, wel­che ver­lan­gen, dass die Per­son am Wohn­sitz «unbe­fris­tet wohnt».

[56] KUKO ZGB-Hot­z/­Sch­lat­ter, N. 6 zu Art. 23 ZGB; ZK-Kren Kost­kie­wicz, N. 19 zu Art. 20 IPRG.

[57] OFK IPRG-Kren Kost­kie­wicz, N. 7 zu Art. 20 IPRG; vgl. Bot­schaft IPRG, S. 317.

[58] Bot­schaft IPRG, S. 317; vgl. BK-Bucher, N. 14 zu Art. 23 ZGB.

[59] Levan­te, S. 50 f.; vgl. BGE 119 II 64 E. 2aa.

[60] CHK-Buhr/­Ga­bri­el/­Schramm, N. 9 zu Art. 20 IPRG; vgl. BSK ZGB I‑Staehelin, N. 6 zu Art. 23 ZGB. Vgl. aber Urteil 5A_663/2009 vom 1. März 2010 E. 4.2.3.

[61] Vgl.  Urteil 5A_917/2018 vom 20. Juni 2019 E. 4.2.5; Urteil 4A_36/2016 vom 14. April 2016 E. 4 u. 6.2; Urteil 5A_30/2015 vom 23. März 2015 E. 4.2.

[62] Vgl. Urteil 5A_903/2013 vom 29. Janu­ar 2014 E. 3.

[63] Urteil 5A_663/2009 vom 1. März 2010 E. 3; Urteil 5A_903/2013 vom 29. Janu­ar 2014 E. 3.

[64] Urteil 5A_419/2020 vom 16. April 2021 E. 3.1; wobei Zeu­gen­aus­sa­gen der Fami­lie aber zurück­hal­tend zu beur­tei­len sind: Urteil 4A_558/2017 vom 6. April 2018 E. 4.1.

[65] Vgl. Urteil 2C_270/2012 vom 1. Dezem­ber 2012 E. 2.4 (selbst bei wöchent­li­chen Besu­chen bei Geschwis­tern oder Eltern kön­nen Kon­tak­te zum Arbeits­ort über­wie­gen); fer­ner Urteil 5A_917/2018 vom 20. Juni 2019 E. 4.1; vgl. auch Bot­schaft IPRG, S. 317.

[66] Urteil 5A_1015/2015 vom 18. März 2016 E. 4.2.

[67] Urteil 5A_30/2015 vom 23. März 2015 E. 4.2; vgl. aber BGE 125 III 100 E. 3.

[68] Urteil 5C.171/2000 vom 16. Okto­ber 2000 E. 2 u. 4d.

[69] BGE 120 III 7 E. 2b.

[70] Levan­te, S. 51.

[71] Urteil 4C.65/2005 vom 28. April 2005 E. 4. 

[72] BGE 85 II 318 E. 3; Vgl. Urteil 5A_659/2011 vom 5. April 2012 E. 2.3 (u.a. Abschluss eines Mobil­te­le­fon-Abon­ne­ments oder einer Hausratsversicherung)

[73] Urteil 5A_235/2012 vom 31. August 2012 E. 5.2 f.

[74] Bot­schaft IPRG, S. 317; vgl. Levan­te, S. 52. Miss­ver­ständ­lich inso­fern CHK-Buhr/­Ga­bri­el/­Schramm, N. 10 zu Art. 20 IPRG.

[75] Vgl. Urteil 4A_558/2017 vom 6. April 2018 E. 3.2.1.

[76] Kren Kost­kie­wicz, Rz. 630.

[77] Mar­kus, Rz. 294; vgl. Urteil 5A_609/2011 vom 14. Mai 2012 E. 4.2.4.

[78] Urteil 9C_295/2019 vom 18. Juni 2019 E. 2.2.2.

[79] Urteil 5A_419/2020 vom 16. April 2021 E. 3.2.2.

[80] Vgl. Urteil 4A_443/2014 vom 2. Febru­ar 2015 E. 4.

[81] Urteil 5A_235/2012 vom 31. August 2012 E. 4.1 (vgl. auch die Vor­in­stanz: Ober­ge­richt des Kan­tons Zürich, Urteil LQ100065 vom 16. Febru­ar 2012 E. 2b).

[82] Vgl. Haus­heer/Aebi-Mül­ler, Rz. 401 u. 405; Levan­te, S. 53 f.

[83] Kren Kost­kie­wicz, Rz. 633 f.

[84] Levan­te, S. 53 f.; Truni­ger, Rz. 75; vgl. Bot­schaft IPRG, S. 317.

[85] Vgl. Urteil 5A_663/2009 vom 1. März 2010.

[86] Bei­spiel­haft: Urteil 4A_558/2017 vom 6. April 2018; Urteil 5A_663/2009 vom 1. März 2010. Sie­he hin­sicht­lich der Pro­ble­ma­tik beim gewöhn­li­chen Auf­ent­halt: Keller/Siehr, S. 324 f.

[87] Urteil 5A_663/2009 vom 1. März 2010 E. 2.2.2.

[88] Vgl. Bot­schaft IPRG, S. 319, wonach Jah­res­auf­ent­hal­ter mit Fami­lie im Aus­land kei­nen Wohn­sitz begrün­den; fer­ner Haus­heer/Aebi-Mül­ler, Rz. 402 f.

[89] Für die Anwend­bar­keit des IPRG auf Diplo­ma­ten: Mas­me­jan, S. 70; vgl. fer­ner BGE 110 II 156 E. 2b.

[90] BGE 82 III 12.

[91] Mas­me­jan, S. 70.

[92] Vgl. BGE 138 II 300 E. 3.6.3.

[93] Dazu: von Stei­ger, S. 42 ff.; vgl. auch Schnei­der, Rz. 284.

[94] Vgl. auch von Stei­ger, S. 49 ff. zur alten fraus legis-Dok­trin.

[95] Gl.M. von Stei­ger, S. 44 f.

[96] Vgl. BGE 119 II 64 E. 2a; Urteil 5A_663/2009 vom 1. März 2010 E. 2.2.2.

[97] Kren Kost­kie­wicz, Rz. 627; OFK-Kren Kost­kie­wicz, N. 9 zu Art. 20 IPRG; ähn­lich CR LDIP-Bucher, N. 23 zu Art. 20 IPRG; Hru­besch-Mil­lau­er/­Bür­ki, S. 121.

[98] Vgl. Urteil 5A_432/2009 19. April 2010 E. 5.2.1; Urteil 5A.34/2005 vom 25. August 2005 E. 4.1; BGE 116 II 202 betrifft den Son­der­fall des Fami­li­en­na­mens, wobei eben­falls ein phy­si­scher Auf­ent­halt in der Schweiz nach Ehe­schlies­sung bestand. 

[99] Gl.M. Levan­te, S. 49; so dann auch ZK-Kren Kost­kie­wicz, N. 19 zu Art. 20 IPRG in fine; a.M. unter dem ZGB: BK-Bucher, N. 19 f. zu Art. 23 ZGB.

[100] BGE 108 Ia 252 E. 5; Urteil 5A_278/2017 vom 19. Juni 2017 E. 3.1.1.2. Zustim­mend BSK ZGB I‑Staehelin, N. 19e zu Art. 23 ZGB. Die Anwend­bar­keit ver­nei­nend: Mas­me­jan, S. 73; ZK-Kren Kost­kie­wicz, N. 70 zu Art. 20 IPRG.

[101] Vgl. Urteil 5A_278/2017 vom 19. Juni 2017 E. 3.1.1.2; Mar­kus, Rz. 301; sie­he auch KUKO ZGB-Hot­z/­Sch­lat­ter, N. 7 zu Art. 23 ZGB.

[102] BGE 108 Ia 252 E. 5.

[103] Vgl. BGE 140 V 563 E. 3.1 (umso mehr, wenn der Ort nahe der Fami­lie liegt).

[104] Vgl. Bucher, Rz. 348. Zum ZGB: BSK ZGB I‑Staehelin, N. 19a ff. zu Art. 23 ZGB.

[105] Urteil 5A_278/2017 vom 19. Juni 2017 E. 3.1; fer­ner BGE 120 III 7 E. 2b in fine.

[106] Hür­li­mann-Kaup/­Schmid, Rz. 687; vgl. BGE 134 V 236 E. 5.2.

[107] Urteil 5A_725/2010 vom 12. Mai 2011 E. 2.3. u. 4; vgl. Urteil 5A_267/2012 vom 21. Novem­ber 2012 E. 6.3.2.

[108] KUKO ZGB-Hot­z/­Sch­lat­ter, N. 4 zu Art. 23 ZGB.

[109] Boh­ne­t/O­the­nin-Girard, S. 146; CHK-Buhr/­Ga­bri­el/­Schramm, N. 13 zu Art. 20 IPRG.

[110] Mas­me­jan, S. 67 (mit Kri­tik auf S. 71); ähn­lich CHK-Buhr/­Ga­bri­el/­Schramm, N. 13 zu Art. 20 IPRG; ZK-Kren Kost­kie­wicz, N. 30 zu Art. 20 IPRG; vgl. Urteil 5A_278/2017 vom 19. Juni 2017 E. 3.1.1.1. Teil­wei­se a.M. CR LDIP-Bucher, N. 9 u. 27 zu Art. 20 IPRG.

[111] Bot­schaft IPRG, S. 320.

[112] BK-Bucher, N. 28 zu Art. 23 ZGB; Hür­li­mann-Kaup/­Schmid, Rz. 686.

[113] Vgl. Kren Kost­kie­wicz, Rz. 636 ff.

[114] BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 35 zu Art. 20 IPRG.

[115] Bot­schaft IPRG, S. 316.

[116] BGE 120 III 7 E. 2a; BGE 119 II 167 E. 2b; Urteil 4A_443/2014 vom 2. Febru­ar 2015 E. 3.4; vgl. auch Levan­te, S. 45; Truni­ger, Rz. 75.

[117] Duto­it, N. 1 zu Art. 20 IPRG; Schnyder/Liatowitsch, Rz. 545.

[118] BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 12 zu Art. 20 IPRG.

[119] Walter/Domej, S. 119; Mar­kus, Rz. 300; vgl. BGE 133 III 252 E. 4; Bot­schaft IPRG, S. 318.

[120] Vgl. Mas­me­jan, S. 72 ff.; fer­ner BGE 119 II 64 E. 2aa; Schwan­der, Rz. 197.

[121] Dazu: Boh­ne­t/O­the­nin-Girard, S. 145.

[122] CHK-Buhr/­Ga­bri­el/­Schramm, N. 15 zu Art. 20 IPRG; Mas­me­jan, S. 72.

[123] BGE 119 II 167 E. 2b.

[124] Levan­te, S. 55 f.; Schwan­der, Rz. 192.

[125] Duto­it, N. 11 zu Art. 20 IPRG; Kren Kost­kie­wicz, Rz. 652. Dif­fe­ren­zie­rend: Levan­te, S. 93 f. u. 103.

[126] Bot­schaft IPRG, S. 319; vgl. Baet­ge, S. 58 f.; BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 6 f. zu Art. 20 IPRG.

[127] Bucher/Bonomi, Rz. 170; Mar­kus, Rz. 307; vgl. auch Baet­ge, S. 61 f.

[128] Gl.M. wohl ZK-Kren Kost­kie­wicz, N. 49 zu Art. 20 IPRG; vgl. fer­ner BGE 141 IV 205 E. 5.3.2; zuguns­ten einer voll­stän­di­gen Har­mo­nie a.M. CR LDIP-Bucher, N. 37 f. zu Art. 20 IPRG; SHK-Ober­ham­mer, N. 90 zu Art. 5 LugÜ.

[129] Urteil 5A_1021/2017 vom 8. März 2018 E. 5.1.2; Urteil 5A_68/2017 vom 21. Juni 2017 E. 2.3; Urteil 5A_164/2013 vom 18. April 2013 E. 3; BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 39 zu Art. 20 IPRG.

[130] ZK-Kren Kost­kie­wicz, N. 49 zu Art. 29 IPRG; ZK-Sieh­r/­Mar­kus, N. 57 zu Art. 5 HKsÜ. In die­ser Hin­sicht abzu­leh­nen: Urteil 5A_220/2009 vom 30. Juni 2006 E. 4.1.2; Urteil 5A_427/2009 vom 27. Juli 2009 E. 4.2.

[131] Mar­kus, Rz. 307; ZK-Kren Kost­kie­wicz, N. 49 zu Art. 29 IPRG; vgl. auch Mas­me­jan, S. 119.

[132] Vgl. nur ZK-Sieh­r/­Mar­kus, N. 253 ff. zu Art. 5 HEsÜ.

[133] BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 38 zu Art. 20 IPRG; vgl. Bot­schaft IPRG, S. 319.

[134] Urteil 5A_812/2015 vom 6. Sep­tem­ber 2016 E. 5.1.2; Urteil 4C.4/2005 vom 16. Juni 2005 E. 4.1 u. 4.3; CHK-Buhr/­Ga­bri­el/­Schramm, N. 11 zu Art. 20 IPRG; Furrer/Girsberger/Siehr, Rz. 310.

[135] Furrer/Girsberger/Siehr, Rz. 310; Schwan­der, Rz. 203.

[136] Furrer/Girsberger/Siehr, Rz. 315; Levan­te, S. 100; vgl. BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 37 zu Art. 20 IPRG; Mas­me­jan, S. 99 f.; Schwan­der, N. 3 zu Art. 20 IPRG; Truni­ger, Rz. 77; a.M. CR LDIP-Bucher, N. 37 zu Art. 20 IPRG; Duto­it, N. 9 zu Art. 20 IPRG. Unter den Haa­ger Über­ein­kom­men wird ein mehr­fa­cher gewöhn­li­cher Auf­ent­halt dage­gen mehr­heit­lich abge­lehnt (vgl. CHK-Buhr/­Ga­bri­el/­Schramm, N. 30 zu Art. 20 IPRG), womit sich ein Unter­schied zwi­schen dem Begrif­fen nach IPRG und jenem nach den Haa­ger Über­ein­kom­men aufzeigt.

[137] Ähn­lich Mar­kus, Rz. 306.

[138] Vgl. Duto­it, N. 10 zu Art. 20 IPRG. Siehr, S. 493, weist tref­fend dar­auf hin, dass die Anknüp­fung bei meh­re­ren Auf­ent­halts­or­ten kei­ne Fra­ge des gewöhn­li­chen Auf­ent­hal­tes, son­dern eben der Anknüp­fung darstellt.

[139] Keller/Siehr, S. 324 f.

[140] Bot­schaft IPRG, S. 319; Hür­li­mann-Kaup/­Schmid, Rz. 690.

[141] Urteil 5C.272/2000 vom 12. Febru­ar 2001 E. 3b; vgl. Bucher/Bonomi, Rz. 597; Guil­laume, S. 89. Vgl. aber den Hin­weis zur inter­na­tio­na­len Ten­denz unter den Haa­ger Über­ein­kom­men, in Extrem­si­tua­tio­nen in Kin­der­be­lan­gen auf die phy­si­sche Anwe­sen­heit zu ver­zich­ten bei Mar­kus, Rz. 312.

[142] BGE 117 II 334 E. 4a; vgl. BGE 129 III 288 E. 4.1. Die­se Über­le­gung des Bun­des­ge­richts lässt sich dar­auf zurück­füh­ren, dass die­ses Ele­ment der Kon­zep­ti­on der Haa­ger Über­ein­kom­men entstammt.

[143] Gl.M. Duto­it, N. 5 zu Art. 20 IPRG; Levan­te, S. 92 f.; a.M. Furrer/Girsberger/Siehr, Rz. 311.

[144] Mas­me­jan, S. 90 ff. m.w.H.; Schnei­der, Rz. 214; vgl. inso­fern auch Urteil 8C_60/2016 vom 9. August 2016 E. 3.2.1; Urteil 5A_427/2009 vom 27. Juli 2009 E. 3.1.

[145] Mas­me­jan, S. 98 f.

[146] BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 35 zu Art. 20 IPRG; Levan­te, S. 99; Schwan­der, N. 3 zu Art. 20 IPRG; ZK-Kren Kost­kie­wicz, N. 47 zu Art. 20 IPRG.

[147] Vgl. für Kin­des­ent­füh­run­gen aber das HKÜ sowie Art. 7 HKsÜ.

[148] Furrer/Girsberger/Siehr, Rz. 314; bei einer Kin­des­ent­füh­rung ist aber die Begrün­dung eines gewöhn­li­chen Auf­ent­hal­tes nicht unmög­lich, vgl. BGE 109 II 375 E. 5b.

[149] Ähn­lich Bucher/Bonomi, Rz. 597; Levan­te, S. 92; vgl. Urteil 5A_68/2017 vom 21. Juni 2017 E. 2.3.

[150] Vgl. Mas­me­jan, S. 99 u. 121; fer­ner ZK-Kren Kost­kie­wicz, N. 47 zu Art. 20 IPRG; zur Kin­des­ent­füh­rung nach HKsÜ: ZK-Sieh­r/­Mar­kus, N. 62 zu Art. 5 HKsÜ.

[151] Levan­te, S. 98; Mar­kus, Rz. 309. Ins­be­son­de­re ist der gewöhn­li­che Auf­ent­halt nicht mit dem Auf­ent­halt nach Art. 24 Abs. 2 ZGB gleich­zu­set­zen; vgl. Truni­ger, Rz. 78.

[152] Bucher/Bonomi, Rz. 597 (eini­ge Mona­te). Faust­re­gel von drei Mona­ten: Schwan­der, Rz. 206; Spühler/Meyer, S. 25. Dif­fe­ren­zie­rend: Levan­te, S. 97; vgl. auch Grolimund/Schnyder, S. 16.

[153] Gl.M. Mar­kus, Rz. 309.

[154] Vgl. Furrer/Girsberger/Siehr, Rz. 314; Kno­e­pf­ler/­Schwei­zer/O­the­nin-Girard, Rz. 451.

[155] BGE 117 II 334 E. 4a; Schnyder/Liatowitsch, Rz. 551.

[156] Kren Kost­kie­wicz, Rz. 647.

[157] Siehr, S. 139.

[158] Bot­schaft IPRG, S. 319; Levan­te, S. 93.

[159] BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 34 zu Art. 20 IPRG; vgl. Bot­schaft IPRG, S. 319.

[160] Bot­schaft IPRG, S. 320.

[161] Urteil 5A_609/2011 vom 14. Mai 2012 E. 4.2.2; vgl. zum Gan­zen CR LDIP-Bucher, N. 33 zu Art. 20 IPRG; Kno­e­pf­ler/­Schwei­zer/O­the­nin-Girard, Rz. 451.

[162] BGE 129 III 288 E. 4.1; BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 36 zu Art. 20 IPRG. Dies ist jedoch kei­ne unwi­der­leg­ba­re Fik­ti­on: Urteil 5P.128/2003 vom 7. Mai 2003 E. 3.2.

[163] Wobei für Kin­der das MSA gilt, vgl. dazu: CHK-Buhr/­Ga­bri­el/­Schramm, N. 27 f. zu Art. 20 IPRG; Levan­te, S. 89 f.

[164] A.M. Keller/Siehr, S. 325; Mas­me­jan, S. 72 u. 100; Schwan­der, Rz. 209. Zuge­ge­be­ner­mas­sen ist die Über­le­gung, dass ein gewöhn­li­cher Auf­ent­halt zwin­gend ist, dog­ma­tisch nicht ganz kor­rekt und eher von prak­ti­schen Über­le­gun­gen gelei­tet. Im Ergeb­nis nähert sich der gewöhn­li­che Auf­ent­halt in sol­chen Kon­stel­la­tio­nen dem schlich­ten Auf­ent­halt an, wel­cher dann wohl auch regel­mäs­sig der engs­ten Ver­bin­dung im Hin­blick auf das frag­li­che Rechts­ver­hält­nis gerecht wird.

[165] BGE 119 II 167 E. 2b; Urteil 4C.298/2002 vom 30. April 2003 E. 2; BSK IPRG-Wes­ten­berg, N. 19 zu Art. 20 IPRG.

[166] a.M. Guil­laume, S. 90.

[167] So wohl auch Duto­it, N. 4 zu Art. 86 IPRG; ZK-Künz­le, N. 3 zu Art. 86 IPRG.

[168] Dazu: Boh­ne­t/O­the­nin-Girard, S. 152 f. m.w.H.

[169] BGE 129 III 738 E. 3.4.1; Schnyder/Liatowitsch, Rz. 553; Spühler/Meyer, S. 26; vgl. BGE 134 III 224 E. 3.2.2.

[170] Bot­schaft IPRG, S. 320 f.; Kren Kost­kie­wicz, Rz. 657.

[171] Grolimund/Schnyder, S. 17.

[172] Schnyder/Liatowitsch, Rz. 553; vgl. Mas­me­jan, S. 133.

[173] ZK-Kren Kost­kie­wicz, N. 60 zu Art. 20 IPRG; vgl. CHK-Buhr/­Ga­bri­el/­Schramm, N. 33 zu Art. 20 IPRG.

[174] Bot­schaft IPRG, S. 320; vgl. Mas­me­jan, S. 134; Schwan­der, Rz. 213.

[175] Vgl. Schwan­der, N. 4 zu Art. 20 IPRG.

[176] Mas­me­jan, S. 134; vgl. auch Truni­ger, Rz. 84.

[177] Mar­kus, Rz. 333.

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